Talking Stone Film

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– Sie können eine Ausbildung beginnen
oder studieren. Ohne gute bis sehr gute Deutschkenntnisse
geht das nicht. – Aber so wie ich das sehe,
haben Sie schon viel Deutsch gelernt. – Herr González? – Hm … Ähm, ‘tschuldigung. Könnten Sie das bitte
noch einmal wiederholen? – Ich habe gesagt, dass Sie für viele
Ausbildungsberufe oder ein Studium gute bis sehr gute
Deutschkenntnisse brauchen. – Ich hab’ gerade mit
B1-Niveau angefangen. – Das klingt gut. Haben Sie die A2-Prüfung gemacht? – Hmhm.
Aber ich hab’ einen A2-Kurs gemacht. – Ich bin mir sicher, dass Sie das können. Aber ich bin mir auch sicher,
dass die meisten Betriebe einen Nachweis über Ihre
Deutschkenntnisse verlangen. Dafür müssen Sie eine
Sprachprüfung machen. – Okay, dann mach’ ich
diese Sprachprüfung. Und dann kann ich eine Ausbildung machen? – Mal sehen. Welchen Beruf möchten
Sie denn lernen? – Ich bin mir nicht sicher. – Sie sind sich unsicher?
– Hm. Gibt es eine
Schauspiel-Ausbildung? – Sie können in Deutschland eine
Schauspielschule besuchen. Aber da gibt es eine sehr
schwere Aufnahmeprüfung. Niemand kann Ihnen garantieren,
dass Sie nach der Ausbildung auch als Schauspieler arbeiten können. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt
ist für Schauspieler sehr schwierig. – Hab’ ich schon gehört, ja. – Sie können es natürlich versuchen. Haben Sie denn vielleicht noch
andere Interessen? Oder gibt es etwas,
das Sie sehr gut können? – Ja! Ich kann Fahrräder
und Mopeds reparieren. – Wie lange lernen Sie schon Deutsch? – Ich lerne seit ein Jahre Deutsch. – Seit einem Jahr. – Richtig. Ich weiß, dass man das
so sagt, aber … – Sprechen Sie auch andere Sprachen? – Ich spreche Arabisch und Armenisch. – Sie sprechen Armenisch? – Meine Mutter ist zweisprachig
aufgewachsen. – Wow. – Das ist bei uns normal. – Sprechen Sie auch Englisch? – Ich habe schon [einen]
Kurs besucht in Syrien. Aber leider spreche ich
nicht so gut Englisch. Ich weiß aber, dass Englisch [eine]
wichtige Sprache ist. – Welche Sprachen lernt ihr denn
in der Schule? – Bei uns lernt man Englisch und Französisch
in der Schule. – Du sprichst Französisch? – Leider sprech’ ich nur ein bisschen
Französisch. Aber ich kann ganz gut
Englisch sprechen. – Verstehe. Ich bin mir sicher, dass du die
B2-Sprachprüfung bestehst. – Echt?
– Echt. – Ich möchte auf jeden Fall studieren! – Ich finde auch, dass du studieren
solltest. Du schaffst das! Für welches Studienfach
interessierst du dich? – Ich weiß nicht. Vielleicht studier’ ich … Medizin oder ich werde Lehrerin, wie du. – Ja, du hast ja noch ein bisschen Zeit. Wir sehen uns morgen? – Ja! Danke Lisa … für deine Hilfe. – Das mach’ ich doch gern. – Frau Brunner.
Vielen Dank für Ihre Hilfe! – Gern. Ich finde, dass Selma
erstaunliche Fortschritte macht. – Sie ist intelligent.
Wir sind sehr stolz auf sie. – Was ist eigentlich mit Ihnen? – Mit mir? – Ja. Sie haben doch einen neuen Job. Gefällt Ihnen die Arbeit? – Ach so … Na ja! Der Unterschied zu meiner Arbeit als Arzt
ist sehr groß, aber ich habe Arbeit. Und das ist am wichtigsten. – Wissen Sie denn schon,
wann Ihre Sprachprüfung ist? Die ist schon bald, oder? – Ja. In ein paar Wochen. Ähm,
das Datum aber hab’ ich jetzt nicht im Kopf. – Ja, das ist ja auch nicht so wichtig. Sind Sie denn gut vorbereitet? – Na ja … Ich habe nur wenig Zeit zum Lernen, und ich kenne auch nicht viele Deutsche. Ich spreche die Sprache viel zu selten. Ich kann wirklich nicht sagen,
ob ich es schaffe. Aber ich hoffe es. – Ach, Sie sprechen doch schon
sehr gut Deutsch! Herr Al-Pascha … Ich möchte wissen, ob es möglich ist, dass wir Selmas Sprachunterricht
ab jetzt wieder bei mir machen. – Es tut mir sehr leid, aber das ist nicht möglich. Selma hat uns angelogen. Wir können ihr nicht mehr vertrauen. – Ja, ich meine nur … Gibt es nicht irgendeine Lösung? Hier geht es um Selmas Zukunft. – Das ist Sache der Familie. – Hey! Pscht … – Nico? Was machst du hier? – Ich bin hier, weil ich dich sehen will. – Wie war dein Termin bei der
Agentur für Arbeit? – Sehr gut. Ich werde eine Ausbildung
zum … ähm … ähm … … wie ist das Wort? …
Zweiradmechatroniker machen. Ich werde eine Ausbildung zum
Zweiradmechatroniker machen. – Was ist das? – Ich arbeite in einer Werkstatt und muss
da Fahrräder und Motorräder reparieren. – Also alles mit zwei Rädern? – Ja. Die Ausbildung dauert drei Jahre. – Das klingt super. – Ja. Finde ich auch, denn
ich muss endlich Geld verdienen. – Geht das? – Zuerst muss ich eine
Sprachprüfung bestehen und dann kann ich
die Ausbildung beginnen. – Das schaffst du, Nico.
Jetzt sei doch mal optimistisch! So schwer ist die Prüfung auch nicht. Du musst dich gut darauf vorbereiten. – Ja, ich weiß. Und was ist mit dir? – Ich möchte studieren, aber ich weiß
noch nicht so genau, was. Es gibt so viele Studienfächer! Aber im Moment brauch’ ich
vor allen Dingen einen Job. – Und suchst du schon? – Ich kann schlecht einen Job suchen,
wenn ich immer zu Hause bleiben muss. – Es geht um deine Zukunft! – Komisch. Das sagen meine Eltern
auch immer … Ich muss wieder nach oben. – Bis bald! – Hast du kurz Zeit? – Ja. – Hey! – Hey! Es gibt Neuigkeiten!
Wir haben einen Investor! – Yes! – Was? Einfach so? – Nicht ganz …
Er gibt uns vier Wochen Zeit. Das heißt, wir müssen den Lieferservice
in einem Monat starten. – In einem Monat?
Wozu soll das denn gut sein? – Na ja, er will sehen, dass wir es
wirklich ernst meinen. – Wir meinen es ernst! Deshalb brauchen
wir auch mehr Zeit zum Planen und so. Das schaffen wir nie im Leben
in vier Wochen! – Wozu brauchen wir am meisten Zeit? – Na ja, wir brauchen bestimmt viel Zeit
zum Ausbauen der Küche. Das dauert mindestens drei bis vier
Wochen, wenn es gut läuft. – Außerdem brauchen wir noch ein paar
Wochen, um neues Personal einzustellen. Das geht auch nicht so einfach. Die müssen
ja auch noch eingearbeitet werden. – Und du? Was musst du noch machen? – Ich erstelle die App und die Webseite
und überarbeite den Businessplan. Aber das geht relativ schnell. – Das wird stressig. Ich weiß nicht,
ob wir das schaffen. Die Arbeit im Restaurant ist ja auch noch
da. Wir können ja nicht einfach schließen. – Können wir den Termin nicht verschieben? – Nein.
Und es gibt noch eine Bedingung … – Oh, ich habe meinen Terminplan verlegt.
Hast du ihn gesehen? – Ähm … nein. – Verdammt! Egal! Ich kann weitersuchen,
während ich telefoniere. – Achtung! Frisch gewischt. – Cool! – Mhm … – Was macht Lisa? – Tja. Die macht wieder
alles gleichzeitig. Die telefoniert, während
sie die Sachen zusammenpackt … Und es stört mich auch überhaupt nicht,
dass sie hier ständig durch das frisch gewischte Wohnzimmer rennt,
während sie telefoniert. – Ach, komm schon! Du siehst doch, dass Lisa Stress hat. – Bist du jetzt wieder auf ihrer Seite? – Wir haben uns wieder vertragen, ja. Außerdem ist Streit auch ein Stressfaktor,
und ich muss mich entspannen. – Warum musst du dich entspannen? – Darum! – Heißt das, du behältst das Baby? – Du, Nina, ähm, dein Termin beim
Frauenarzt, der ist doch um halb vier, oder? – Ja, aber ich kann auch
alleine hingehen. – Das kommt gar nicht in Frage.
Ich hab’s dir doch versprochen. Äh, während wir beim Arzt sind,
kann ich auch noch ‘n bisschen auf meinem Laptop arbeiten.
Wir sehen uns in der Praxis, ja? – Okay. – Okay! Tschüss! – Sag mal, hast du
Toilettenpapier gekauft? – Toilettenpapier? Oh … Das ist … Stressfaktoren
… überall Stressfaktoren … – Hallo! Vielen Dank fürs Kommen! – Sehr gerne. Ist alles in Ordnung? – Ja, ich musste bloß rennen,
um nicht zu spät zu kommen. Ähm. Ja. Äh, wir beginnen mit dem Unterricht! Wir haben heute zwei Gäste hier, die mit uns über das Thema
Flucht sprechen werden: Inge Kohlhaas und Selma Al-Pascha. Du, wenn man zu spät kommt, dann
sollte man sich wenigstens entschuldigen. Schließlich waren alle anderen
hier pünktlich da, ja? – ‘tschuldigung! – Also … beide Familien mussten
aus ihrer Heimat fliehen … Du auch! Wenn ich zu spät komme,
dann entschuldige ich mich. Findest du es in Ordnung, dass ich den Unterricht
jedes Mal wieder unterbrechen muss? Das stört alle. – Entschuldigung. – Also, mir reicht’s langsam, ja? Diese ständige Unpünktlichkeit ist absolut
inakzeptabel und überhaupt kein Grund zum Grinsen. Setz dich! Können wir jetzt weitermachen? – Auf gar keinen Fall! – Aber wieso? Dadurch ist das Risiko
für euch nicht so hoch. – Pepe, ich weiß nicht,
ob du’s richtig verstanden hast, aber es gibt kein Risiko mehr weil es nämlich keinen Deal mehr gibt. – Ich weiß auch nicht,
ob das ‘ne gute Idee ist. Der will für sein Geld 50 Prozent
von unserem Geschäft haben! Das ist viel zu viel! – Das war doch klar, dass der
uns nicht einfach so viel Geld gibt. – Nein, das war nicht klar. Und ich hätte nicht gedacht, dass er
euer Geschäftspartner werden will und 50 Prozent fordert. – Die bekommt er ganz sicher nicht,
denn wir brauchen ihn nicht. – Ich arbeite jedenfalls nicht umsonst. – Das sollst du auch nicht. Mir war die ganze Sache sowieso
viel zu riskant! – Tarek … – Was denn? Mich wundert, dass du unser
Restaurant größer machen willst. Bist du unzufrieden? – Nein. – Max? Was ist der Plan? – Es tut mir leid, Pepe.
Tarek hat recht. Es ist unser Restaurant.
Wir wollen keinen Investor. – Woher stammt Inges Familie?
Was glaubt ihr? Na? Wer möchte es versuchen? – Ich glaube, dass sie aus Deutschland
kommt. – Ja … und nein. Der Ort, aus dem meine Familie kommt,
liegt heute in Polen. Aber als meine Eltern dort lebten,
lag er noch in Deutschland. – Wer kann mir sagen, wann das war? – Das war bestimmt vorm Zweiten Weltkrieg. – Ganz genau. Und als Deutschland den Krieg
verloren hat, mussten meine Eltern unsere Heimat
verlassen. Da war ich noch nicht geboren. – Gab es damals genauso viele
Flüchtlinge wie heute? – Ha! Sogar mehr. Und die Menschen kamen in ein Land,
in dem sehr viel kaputt war. Immerhin konnten sie
die Sprache verstehen. Denn sie haben auch zu Hause
Deutsch gesprochen. Das war sicher ein großer Vorteil. Da hat es deine Familie nicht so leicht. – Wo ist Ihre Heimat? Hier oder der Ort, aus dem Ihre Familie
stammt? – Ja, das kleine Dorf, aus dem meine Familie
kommt, ist auch ein Teil von mir. Ach, meine Mutter hat mir viele Geschichten
aus ihrer Jugend und Kindheit dort erzählt. Ich bin mit meinen Eltern noch ein
paar Mal da gewesen. Aber meine Heimat ist hier in Deutschland. – Selma, du hast auch Fotos mitgebracht. – Ja, also die Fotos zeigen meine
Heimatstadt in Syrien. Das ist die Straße,
in der wir gewohnt haben. – Wirklich schön. Wenn ich das sehe,
denke ich sofort an Urlaub. Während Selma spricht,
könnt ihr gerne Notizen machen. – Ja, es gab viele Touristen,
als noch Frieden war. Aber jetzt ist alles anders. Viele Häuser und Wohnungen sind zerstört. Sehr viele Menschen sind vor dem Krieg
geflohen, und es kommen natürlich auch schon
lange keine Touristen mehr. – Willst du wieder zurück?
Denkst du oft an deine Heimat? – Ich denke sogar sehr oft an meine Heimat. Hier ist es auch schön, aber ich möchte
gerne wieder zurück nach Hause. Aber im Moment ist das nicht möglich. Wir versuchen jetzt, hier ein neues Leben
zu beginnen. – Schicke Krone. – Ja, das war mein
sechzehnter Geburtstag. Daran erinner’ ich mich gut.
Wir haben richtig toll gefeiert. Es gab so viel zu essen, dass allen
am Abend ganz schlecht war. – Ist das Ihre Familie? – Ja, genau. Das ist meine Familie.
Das kleine Mädchen bin ich. Das war für mich ein ganz besonderer Tag, weil ich das erste Mal mein
neues Kleid anhatte. Es war etwas Besonderes. Meine Eltern
hatten nicht sehr viel Geld damals. – Vielen Dank für die tollen
Geschichten und die Fotos. Das war’s auch schon wieder. – Darf ich mit Ihnen und Selma noch
ein Foto machen? – Na klar. – Hi, Yara! – Schau dir das Fahrrad an, Nico!
Wunderschön, oder? – Na ja. – Als ich nach Deutschland gekommen bin,
hatte auch so ein Fahrrad. Es ist leider irgendwann kaputtgegangen … – Ist das nicht auch kaputt? – Was? Nein! – Na ja, das Fahrrad sieht aus
wie Schrott. – Er weiß ja nicht, was er da sagt.
Schrott! – Nein, das weiß er wirklich nicht. – Als ich in deinem Alter war, hab’ ich
von diesem „Schrott“ geträumt! – Nico, das ist Otto.
Er sammelt Fahrräder. – Ah, ich sammle viel zu viel. Deshalb
verkaufe ich manche Dinge. Am liebsten an so nette
Menschen wie Yara. – Hallo, ich bin Nico. Der Neffe von Yara.
Ich wollte nicht unhöflich sein … – Ist schon gut. – Was ist denn nun so besonders
an diesem Fahrrad? – Das ist ein altes Fahrrad aus der
Deutschen Demokratischen Republik. Seit der Wiedervereinigung gibt es
die DDR nicht mehr. – Ja, das hab’ ich in der Schule gelernt. – Ja, siehst du? Und dieses Klapprad wurde
in der DDR produziert, als es das Land noch gab. Dieser Typ wird heute gar nicht
mehr gebaut. – Sagten Sie Klapprad? – Ja, weil man es zusammenklappen kann.
Pass auf! – Vorsicht! Nicht, dass es jetzt
noch kaputtgeht! Dieses Fahrrad ist ein Stück Geschichte. – Ja, so wie ich, wenn ich nicht
gleich was esse. – Mach’s gut, Otto. Und vielen Dank!
Das Fahrrad bedeutet mir viel! – Pass gut drauf auf! – Tschüss! Nico! – Stabil ist es nicht.
Schrott! – Warum werden diese Fahrräder eigentlich
nicht mehr gebaut? – Die Räder werden nicht mehr gebaut,
weil es die Firma nicht mehr gibt. Hierher!
– Aber diese … Klapp… Klappräder waren
doch sehr beliebt? – Ja, in der DDR.
Aber nach der Wende wurden viele Firmen in der
ehemaligen DDR geschlossen. – Was bedeutet Wende? – So nennt man die Zeit der
Wiedervereinigung. Das war die Zeit, als aus Ostdeutschland
und Westdeutschland ein Land wurde. – Okay … Aber warum mussten diese Firmen
schließen? Das versteh’ ich nicht. – Ostdeutschland und Westdeutschland
waren nicht nur geteilt. Es waren zwei total
unterschiedliche Länder mit völlig verschiedenen
politischen Systemen. – … und unterschiedlichen Währungen und
die Menschen in der DDR konnten nicht so einfach ihre Verwandten oder Freunde
im Westen besuchen oder in andere westliche Länder reisen, so wie heute.
Das weiß ich ja alles. – Ja und irgendwann hatten viele
Ostdeutsche genug von der DDR und haben für mehr Freiheit demonstriert. Und als die Grenze dann
endlich weg war, da gab es viele Produkte aus der
ehemaligen DDR auch nicht mehr. – Aber die Produkte waren ja
nicht schlecht? – Nein. Aber die Menschen wollten
eben Veränderung. So! Und jetzt bringen wir das Rad mal
wieder so richtig auf Vordermann. – Zum Wohl! – Danke! – Wir haben so schon viel zu tun. Das war ganz sicher
die richtige Entscheidung, den Betrieb nicht zu vergrößern. – Das denk’ ich auch. Aber wir könnten unser Restaurant
trotzdem ein bisschen … verändern. – Denkst du an was Bestimmtes? – Na ja. Ich finde die Idee mit dem Lieferservice
immer noch total gut. Aber wir sollten nicht
an Privatpersonen liefern, sondern an Institutionen. Zum Beispiel an die Tafel,
Kindergärten, Altenheime … – Du meinst einen kostenlosen Service
mit Zutaten, die übrigbleiben? Die Idee ist nicht schlecht. – Denk drüber nach! Mahlzeit, was darf’s denn sein? – Einen griechischen Salat, bitte, und ein Wasser. – Sie können wohl keine Pommes
mehr sehen, was? – Vor allen Dingen kann ich sie
bald nicht mehr riechen. Dieser … Geruch nach Fett … ist ziemlich eklig. Aber ich möchte mich auch nicht beklagen. – Ach, bei uns dürfen Sie das. – Ich hoffe, dass ich bald wieder
als Arzt arbeiten kann. – Sie sind Arzt? – Ja, in Syrien war ich Arzt. Ich bin Urologe. Aber hier habe ich noch
Probleme mit der Sprache. Meine Tochter spricht schon viel besser. – Na, da sind Sie bestimmt
besonders stolz auf sie. – Ja und nein. Sie macht mir große Sorgen. – Das tun Töchter. – Söhne aber auch! – Jetzt mal ehrlich, Pepe: Wie soll ich dich denn ernst nehmen,
wenn du dauernd deine Meinung änderst? – Ja, ich weiß, ich hab’ dir vor ein paar Tagen gesagt, dass ich dir keine neue Webseite
machen kann. Aber … ich hab’ nachgedacht, und du hast recht: Familie ist das Wichtigste. Und du gehörst zu meiner Familie. Deswegen möchte ich dir helfen. – Aha. Soll das jetzt heißen,
dass du doch eine Website für mich machst? – Ja. Also natürlich müssen wir noch
über den Preis sprechen, aber ich mach’ dir da ein faires Angebot. Ähm, familienfair sozusagen … – Nein! – Wie „nein“? – Ich meine nein. Das Geschäft mit Max
und Tarek ist geplatzt, deshalb kommst du jetzt zu mir, oder? – Ich brauch’ den Auftrag, Yara … – Warum? – Meiner Firma geht es schlecht. Ich hab … ich hab’ finanzielle Probleme. Ich hab’ Schulden, Yara. Darum brauch’ ich die Aufträge. – Du hast kein Geld mehr? Weißt du, was unsere Eltern immer sagen? Nimm dir ein Beispiel an Pepe!
Mach es wie er! Beende dein Studium
und werde so erfolgreich wie Pepe! Und du hast kein Geld mehr? – Ja, tut mir leid, Nico! Ich hab’ gelogen. Ich wollte, dass
unsere Eltern stolz auf mich sind. – Wahnsinn … – Was soll ich denn jetzt machen? Hä? – Du wirst die Wahrheit sagen. Keine Show mehr! Keine teuren Autos, keine teuren Hotels! Das muss alles aufhören! Du musst ganz neu anfangen. – Ich bekomm’ aber keine neuen Aufträge, wenn die Leute sehen,
dass ich kein Geld hab’. – Du bekommst meine Website. Mach was daraus. – Okay. – Hallo! Oh, Entschuldigung!
Wartest du schon lange? – Na ja. Wir haben noch Zeit.
Warmen Tee? – Oh, danke schön … Ich bin in letzter Zeit ziemlich gestresst,
weil einige Kollegen krank sind. – Wirklich nur in letzter Zeit? Wie lange
willst du das eigentlich noch machen? Ich finde, du solltest einfach mal
weniger arbeiten. Du könntest auch mal Nein sagen. Hm? – Uhum. – Ja, ich bin heute auch gestresst
wegen dem Termin. Ich weiß immer noch nicht, ob ich das
Kind überhaupt will. Sebastian meint, ich muss mich
endlich entscheiden. – Das stimmt. Aber zum hundertsten Mal, Nina:
Du schaffst das! Du kannst auch … du kannst auch eine
Beratung machen. Vielleicht hilft dir das. – Okay. Aber nur wenn du einen Yoga-Kurs machst,
um etwas gegen deinen Stress zu tun. – Nur wenn du mitkommst. – Lisa, du bist auch nur ein Mensch.
Vergiss das nicht, ja? – Ja. – Apropos Mensch: Da ist einer in deinem
Bauch, der heute untersucht werden soll. Oh, das … – Ja, ist okay. Lass uns einfach reingehen
und dann schauen wir weiter, ja? – Ja. Ich … ich wollte nicht … – Nico … Ich war die letzten Jahre kein
guter Bruder. Ich … ich war nicht für dich da. Ich hab’ nur an die Firma gedacht … Und am Anfang lief die auch wirklich gut.
Ich … ich hab’ nicht die ganze Zeit gelogen. – Vergiss es! Ich will nicht mehr zurückschauen.
Was passiert ist, ist passiert. – Ja … leider. – Jetzt sind wir beide hier und
fangen neu an. – Mach nur nicht den gleichen
Fehler wie ich. – Mach dir keine Sorgen. Ich helfe meinem Bruder. Wir sind eine Familie. Wir passen auf uns auf
und unterstützen einander. – Ja! Und wir geben nicht auf,
versprochen? Versprich mir das! – Versprochen. – Das haben Sie geschrieben? Das ist super. Haben Sie die Bewerbung
denn auch abgeschickt? – Nein, der Text war nicht für eine
bestimmte Bewerbung, sondern nur eine Übung
in meinem Sprachkurs. – Dann wird es Zeit, dass wir die
Theorie in die Praxis umsetzen. Sie haben jetzt hier
eine Aufenthaltserlaubnis. Mit dieser Erlaubnis dürfen Sie
nicht nur in Deutschland wohnen, sondern können hier auch
arbeiten oder studieren. Sie haben die B1-Prüfung bestanden
und wie ich das hier so sehe, ist B2 auch für Sie gar kein Problem. Haben Sie schon mal über die
Möglichkeit nachgedacht, hier zu studieren? – Ja, aber … – Sie wissen nicht,
was Sie studieren möchten? – Selma ist sehr gut mit Zahlen. – Interessieren Sie sich für
ein technisches Fach? – Eigentlich macht mir
kreative Arbeit mehr Spaß. – Nun, es gibt viele Berufe, in denen man
nicht nur technisch und mathematisch interessiert,
sondern auch kreativ sein muss. Vielleicht interessieren Sie sich für
die Arbeit im Produktdesign oder im Social-Media-Bereich. Mein Vorschlag: Bewerben Sie sich für ein
Praktikum in einer Firma. Dann sehen Sie, ob Ihnen
die Arbeit Spaß macht, okay? Ich such’ Ihnen mal etwas
Informationsmaterial raus. – Danke, Mama. – Bitte schön! – Das sind so viele Stellenanzeigen
für Praktika. Ich kann mich gar nicht entscheiden. – Dann entscheide ich, lies vor! – Okay, zum Beispiel hier: „Zuverlässige, zielorientierte und flexible
Praktikanten im Bereich Grafikdesign. Junges, motiviertes Team
sucht Verstärkung. Du willst Erfahrungen sammeln
und hast Interesse an Design? Dann schick uns deine Bewerbung
an …“ und so weiter … – Ähm, ich hab’ nicht alles verstanden. – Es ist eine Anzeige für ein Praktikum
im Bereich Grafikdesign. – Und was macht man da im Praktikum? – Ich weiß nicht genau … Aber ich finde,
dass sich das gut anhört. – Was hast du noch? – Hm. Eine Stellenanzeige von einem
Architekturbüro. Die suchen auch Praktikanten. – Architekt klingt nach einem Beruf,
der Spaß macht. – Ja, aber ich weiß nicht,
ob ich das kann. Hier: Zuverlässige, kreative Praktikantinnen … – Mit wem sprichst du? – Ich? Ach so, ich übe nur ein paar Sätze
für ein Bewerbungsgespräch. – Du schaffst das.
Hilfst du mir beim Essen? – Ja, ich komm’ gleich. Ich muss Schluss machen. – Okay. Du schreibst die Bewerbung
für das Architekturbüro! – Und du schreibst die Bewerbung
für die Schauspielschule! – Ich weiß nicht … Ich wollte doch die Ausbildung
zum Zweirad… – Kannst du ja trotzdem.
Du sollst es wenigstens versuchen! – Okay. – Okay. Tschüss! – Hey! – Huhu. – Hey! – Ich hab’ grad mein Auto verkauft. – Sehr gut! Du kannst mal Nicos Bewerbung für
die Schauspielschule lesen. Er will’s jetzt doch versuchen. – Was? Wozu das denn? – Wozu? Du bist gut! Es ist wichtig, dass alles korrekt ist. – Also! Name, Adresse, Telefonnummer,
Geburtsdatum, Geburtsort, Nationalität: Spanier.
Das ist soweit in Ordnung. Hm … Schulausbildung ist hier …, Sprachkenntnisse, Computerkenntnisse,
okay, Interessen und Fähigkeiten … Seit wann interessierst du dich denn für
modernes Theater? Das hast du selbst geschrieben? – Ja! – Also, der Lebenslauf ist bis auf ein paar
kleine Rechtschreibfehler so schon in Ordnung. Ähm, ich würd’ vorschlagen, wir schauen
uns mal dein Motivationsschreiben an. – Na los, fangen wir an. – Also hier können wir auf jeden Fall noch
ein paar Formulierungen ändern. Hm, dein Motivationsschreiben muss
überzeugender sein. Mach es persönlich. Warum willst du auf diese Schule?
Und warum bist du der Richtige dafür? Du interessierst dich doch für das
Studium, oder? – Klar! Danke, Pepe. Bis morgen. – Gern, bis später. Da ist noch was. Hier: die Struktur deiner Website. Ich hab’ ein paar kurze Texte
geschrieben und … Ist nur ein erster Entwurf,
aber schau einfach mal rein. – Werd’ ich machen! Danke. – Bis später, Yara. – Bis dann. – Mein Bruder hat sich total verändert. Die letzten Wochen waren
großartig mit ihm. – Apropos großartig: Ich hab’ ein paar gute Tipps für dich, damit du gut auf dein
Bewerbungsgespräch vorbereitet bist. – Wie meinst du das? – Ich hab’ eine Zusage für das Praktikum! – Wirklich? Wow!
– Ja! – Davon hast du mir gar nix erzählt. Wann
war denn das Bewerbungsgespräch? – Heute Vormittag. Es war gar nicht so schlimm, sondern
eigentlich sogar ziemlich angenehm. Mit Lisas Hilfe war ich wirklich
gut vorbereitet. Sie hat mir gesagt, um bei
Bewerbungsgesprächen zu überzeugen, muss man auf ein paar Sachen achten. – Zum Beispiel? – Du solltest dich vorher über die
Ausbildung und die Schule informieren. Das hab’ ich auch gemacht und deshalb
war ich wohl auch gar nicht so aufgeregt und habe alle Fragen sofort verstanden! – Du bist unglaublich! – Sie haben sofort zugesagt. Ich muss ihnen nur noch ein paar
Dokumente schicken, um schnell anfangen zu können. – Das müssen wir feiern. Hm? – Ich würde gerne, aber … ich muss jetzt gehen, damit ich
rechtzeitig zu Hause bin. – Wieso? Ich dachte, deine Eltern
kontrollieren dich nicht mehr so sehr. – Ja. So soll es jetzt auch bleiben! Wir sehen uns! – Bis dann! – Ich habe ein Problem mit meiner Webseite. Ich habe gestern Abend
ziemlich lange versucht … – Zeig mal her! So, bitte! – Das hast du mir aber anders gezeigt. – Ja, schon okay. Frauen und Technik,
das passt eben nicht zusammen. Immerhin kannst du Fahrräder reparieren. – Äh, Entschuldigung? – Was? Das war ein Kompliment. – Das soll ein Kompliment gewesen sein? Du hast ja keine Ahnung. Frauen und Technik.
Was für ein blödes Klischee! – Okay. Aber jetzt konzentrier
dich mal wieder auf die Webseite. Also, mach es so,
wie ich es dir gezeigt hab’. Ist eigentlich ganz
einfach – sogar für Frauen. – Du machst es schon wieder! – Was denn? – Na: „Sogar für Frauen.“ Es muss aber nicht immer alles
ganz einfach sein, damit ich es verstehe. Es gibt bestimmt jede Menge Frauen,
die besser programmieren können als du! – Ja, das kann sein, aber trotzdem gibt es
Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Und ich kenne ziemlich viele Frauen, die
eben nicht mit Computern umgehen können. – Aha? So ein Unsinn! – Ja. Ich finde, die meisten Frauen machen
irgendwie alles komplizierter, als es ist. – Männer auch. Ich finde nicht,
dass das typisch weiblich ist. – Machen wir jetzt weiter mit der Webseite? – Ja. – Wie wär’s mit Pink? – Und bald fahren wir
gemeinsam in den Urlaub! – Und du glaubst,
dass es eine gute Idee ist? – Ja, wieso denn nicht? Im Gegensatz zu den meisten
Männern ist Jacques rücksichtsvoll, charmant,
humorvoll, romantisch … – Was heißt denn
„im Gegensatz zu den meisten Männern“? – Na, viele Männer sind unsensibel und reagieren verständnislos, wenn sie …
Hey, hey, hey! – Es tut mir leid. aber Klischees
werden hier nicht bedient. – Ihr seid aber heute auch sensibel. – Hi! – Hallo, Nico! – Warum haben wir deinen Jaques eigentlich
noch nicht gesehen? Hast du kein Foto von ihm? – Oder sieht er vielleicht gar nicht
so gut aus, wie du immer sagst? – Jetzt werd bloß nicht frech! Jacques ist sehr attraktiv. Er ist groß und schlank, er hat schöne Augen und …
Moment! Hier. – Kann ich das bitte noch mal sehen? Das ist Otto, der Fahrradhändler von Yara. – Wie bitte? Ein Fahrradhändler? So ein Quatsch! Das ist Jacques! – Ich sag’ ja nur, dass er so aussieht. – Wieso rede ich überhaupt mit euch? – Weil du uns magst, liebe Inge! – Und weil wir immer noch die
besten Köche sind, die du kennst. – Hier, guck mal. Ich hab’ einen Fotoauftrag von einer
Frauenzeitschrift bekommen. – Das sieht eher nach ‘ner
Männerzeitschrift aus. – Findest du das zu …? – Ich find’s gut. Aber worum geht’s denn? – Also … Das Thema sind
Frauen- und Männerberufe. Deshalb habe ich diese Frau in der
typischen Berufsbekleidung eines Bauarbeiters dargestellt. – Okay, also du möchtest Frauen in typischen Männerberufen fotografieren oder auch Männer in typischen Frauenberufen? – Beides. Es geht um Gleichberechtigung und Gehaltsunterschiede
zwischen Männern und Frauen. … Ja. Und ich überlege die ganze Zeit,
welche Berufe typische Männerberufe sind. – Na ja, die Handwerkerberufe, oder? Lackierer, Maurer, Klempner, Berufskraftfahrer. – LKW-Fahrer hab’ ich auch
schon auf meiner Liste. Und bei den typischen Frauenberufen
habe ich: Frisörin, Erzieherin, Sekretärin und Verkäuferin. – Es gibt aber auch viele Frisöre. Ich finde nicht, dass es ein
typischer Frauenberuf ist. – Apropos Beruf: Wie lange willst du denn eigentlich
noch weitermachen? – Wegen des Babys? – Hm. – Keine Ahnung. So lange es geht. Ich glaube, das Problem wird eher
die Zeit nach der Geburt. – Also, das heißt, du … du willst das Baby
auf jeden Fall behalten? – Mitbewohner Nummer fünf! – Ist das schön! – Hast du das grade gehört? – Was denn? – Was denn? Na, dass die Chefin mich
grade beschimpft hat! Vor den anderen Kollegen. Obwohl ich manchmal Fehler mache,
kann sie so nicht mit mir sprechen. – Ja, stimmt. Das war respektlos.
Aber sie ist die Chefin. – Jetzt hör aber auf! Ich sage dir,
ich akzeptiere das nicht länger. Was fällt der eigentlich ein?
Okay, sie ist meine Chefin. Trotzdem kann sie doch
normal mit mir sprechen. Mit Herrn Müller hat es
solche Probleme nie gegeben, obwohl er der Chef war!
Aber diese Frauen! – Na ja … – Was denn sonst? Männer gehen arbeiten.
Frauen machen den Haushalt. Dafür gibt es gute Gründe! Dann macht
jeder, was er am besten kann. – Jetzt mal langsam.
Ich sehe das ganz anders. Meine Tochter Selma arbeitet und
möchte bald studieren. Und ich bin sehr stolz auf sie. – Ich rede ja gar nicht von deiner Tochter.
Gegen die habe ich ja gar nix. Aber so eine Situation wie grade wäre mit
dem letzten Chef nicht passiert. Der war total anders! Ibrahim! Ibrahim! Ibrahim! Hey! Ja? Ja, ich brauche bitte
einen Krankenwagen. Ein Kollege von mir ist grad umgekippt. Ich weiß nicht … – Beschreiben Sie sich mit eigenen Worten,
um die Partnersuche zu erleichtern. Ja. Mein Name ist … Milan. Ich bin 75 Jahre alt,
aber trotzdem noch sehr aktiv. Ich bin für alles offen. Ich bin ein humorvoller, loyaler Mann und suche eine sportliche,
charmante Frau … – Jacques?
– Inge! – Warst du bei der Bank? – Ja, ich war bei der Bank. – Und? – Es gibt da immer noch
irgendein Problem … – Hast du …? – Ja, ich habe alle wichtigen
Formulare ausgefüllt, trotzdem schaffen sie es nicht,
meine Überweisung zu bearbeiten. Ich verstehe das wirklich nicht! – Aber du musst doch die Übernachtung
und die Fahrt heute noch bezahlen. – Ich weiß, ich weiß. Es tut mir leid, Inge. Das ist so peinlich.
Erst lade ich dich ein und … und dann passiert so was. Aber wenn die Bank das Problem
nicht lösen kann, müssen wir stornieren. – Auf keinen Fall! Du hast vielleicht Probleme mit deiner Bank,
trotzdem fahren wir ein paar Tage weg. Ja, ich kann die Reise doch bezahlen.
Das ist kein Problem! – Auf keinen Fall! – Jacques … Du bist kein Fremder aus dem Internet. Ich habe dich nicht in irgendeinem
Partnerportal kennengelernt. Ich kenne dich lange genug.
Ich vertraue dir. – Natürlich … – Also! Ich bezahle die Reise.
Keine Diskussionen. Wenn du unbedingt willst,
kannst du mir das Geld zurückgeben, wenn du die Probleme mit
der Bank gelöst hast. Einverstanden? – Einverstanden. – Es ist wichtig, auf andere Menschen
Rücksicht zu nehmen. Es ist wichtig, Versprechen zu halten. – Nico? Nico? Kannst du mir bitte ein Putztuch bringen? – Es ist sinnvoll,
einen Putzplan zu erstellen. – Nico? Ich brauch’ ein Putztuch. Das ist ein Geschirrtuch. Ich brauche ein Putztuch
oder ein Wischtuch. Hier. Putztuch. – Hey! Ihr macht sauber? – Ähm, ja, also, ich mach’ hier eigentlich
seit Wochen ständig sauber. Was ist denn eigentlich aus
unserem Putzplan geworden? Hä? Ich fand die Idee super,
die Arbeit aufzuteilen. Und eine Schwangerschaft ist übrigens
kein Grund, nicht mitzuhelfen. – Ich finde schon. – Ich finde nicht. Nico und ich, wir … also ich …
mach’ hier fast die ganze Arbeit alleine. – Ich darf mich aber nicht anstrengen. – Dann kaufen wir doch einen Saugroboter. – Jetzt fang nicht an,
wieder von diesem Roboter zu erzählen. Nico, alles okay? – Keine Ahnung. Selma antwortet
seit gestern Abend nicht mehr. – Steckt ihr in einer Beziehungskrise? – Eine was? – Was Nina meint, ist: Habt ihr euch gestritten? – Nein. – Selma antwortet nicht. Na und? Vielleicht hat sie einfach keine Zeit,
mit dir zu schreiben. Und sie arbeitet doch jetzt auch, oder? – Aber sie geht seit gestern
nicht ans Telefon, obwohl ich dreimal angerufen habe. – Ja, das kann tausend Gründe haben. Wahrscheinlich hat sie einfach keine Zeit. – Ich denke ja: Sie will dich testen. Sie will nicht, dass du aufgibst! – Pf, so ein Unsinn! – Das ist überhaupt gar kein Unsinn. – Selma hat deinen Anruf bestimmt gesehen. Jetzt warte mal ab,
sonst nervst du sie nur. – Obwohl sie deinen Anruf gesehen hat,
geht sie nicht ran. Komisch … Ich denke, sie ist doch sauer. Vielleicht hast du
irgendwas Falsches gesagt? – Nein,
wir haben nur über ihr Praktikum geredet. – Die Frage ist nicht,
worüber ihr gesprochen habt, sondern was du gesagt hast. Zwischen Männern und Frauen,
da gibt’s manchmal … Kommunikationsprobleme. Hm. Ja, vielleicht ist Selma sauer, obwohl für dich alles okay ist. Oder ihr ist irgendwas passiert. Das kann natürlich auch sein. – Sebastian! – Was denn? – Mann! Du sollst ihn nicht verunsichern,
sondern ihm helfen. – Ich helf’ ihm doch! – Ich muss das klären. – Also Basti,
du hast wirklich gar keine Ahnung. Von nichts! – Von nichts.
– Von nichts. – Hey! Spinnst du? – Selma, es tut mir leid … – Was soll das? – Warum antwortest du mir nicht? Ich hab’
dir geschrieben, dich angerufen und … – Das hab’ ich gesehen. – Ich … Ich versteh’ einfach nicht,
was los ist. Entweder du sagst mir, warum du mir
nicht antwortest, oder ich bleib den ganzen Tag
hier vor deinem Haus stehen. – Nico, wovon sprichst du? – Ich will einfach nicht, dass es irgendwelche
Missverständnisse zwischen uns gibt. Hab’ ich was Falsches gesagt? – Nico, ich … – Ich weiß, entweder wir treffen uns
heimlich in der WG oder in der Stadt, aber … Aber ich musste dich sehen.
Deshalb bin ich gekommen. – Du hast nichts falsch gemacht, Nico.
Es hat nichts mit dir zu tun. Wir dürfen uns nicht treffen, Nico.
Meine Eltern erlauben es nicht. – Ich weiß, aber … – Ich kann nicht mehr lügen, Nico.
Ich fühle mich so … so unglaublich schlecht. Gerade jetzt. Meine Eltern dürfen sich
jetzt nicht aufregen. – Aber was ist denn passiert, hm? – Mein Vater ist wieder im Krankenhaus. – Was? – Er hatte einen Herzinfarkt
und muss operiert werden. – Das tut mir leid.
Aber es ist nicht deine Schuld. – Es tut mir leid, Nico. – Selma! – Hallo, Sebastian!
– Hey… Schön, dich zu sehen.
Geht’s dir gut? – Danke, mir geht’s gut. Ich bin auf dem
Weg zu meinem Praktikum. Und du? – Ja, ich treff’ mich jetzt mit einer
Freundin zum Frühstück. Ich hab’ keine Lust auf dieses
Kantinenessen in der Uni. Und wie gefällt dir das Praktikum? – Die Arbeitsbedingungen
in der Firma sind toll, obwohl die Arbeitszeiten an manchen
Tagen ziemlich lang sind. – Und dein Chef? Ist der nett? – Er ist streng,
aber hilfsbereit und verständnisvoll. Und ich find’ es gut, dass ich viele
verantwortungsvolle Aufgaben habe. – Cool, das klingt super. Ich hoffe, dass deine Kollegen
auch nett und unkompliziert sind. – Ja, aber ich hab’ mit den meisten
nicht viel zu tun. Ich arbeite nicht so viel im Team.
Das find’ ich ein bisschen schade, aber wir treffen uns jeden Mittag
zum Essen. – Na ja, es kann ja nicht gleich
am Anfang alles perfekt sein, ha? – Wie geht es Nico? – Nico? Ja du,
Nico geht’s eigentlich ganz gut. Der ist immer noch auf der Suche
nach ‘nem Ausbildungsplatz. Soll ich ihn von dir grüßen? – Besser nicht … – Okay. Dann wünsch ich dir
viel Spaß auf der Arbeit! – Danke.
– Bis bald! – Bis bald Sebastian!
– Ciao! – Das gibt’s doch gar nicht!
Ich arbeite doch nicht rund um die Uhr, um am Ende nur die Hälfte meines
Gehalts zu bekommen! Die spinnen doch! Oh … Sorry. – Kein Problem.
Ich kenne das. Nach Abzug der Steuer
und der Versicherungen bleibt vom Bruttogehalt nicht so viel übrig. Soll ich mal schauen, ob alles stimmt? – Mhm! Also, das hier sind die Abzüge
für die Einkommenssteuer. Das hier ist die Krankenversicherung,
die Rentenversicherung und die Arbeitslosenversicherung … Und die Kirchensteuer. – Was, die Kirchensteuer? Aber ich bin doch schon vor Jahren
aus der Kirche ausgetreten. – Also, wenn du ausgetreten bist,
dann ehm … musst du auch keine
Kirchensteuer bezahlen. Ruf mal an und frage nach. – Danke, mach ich. Ist das die neue Website für deinen
Fahrradladen? – Ja. – Cool! Darf ich? – Die Website hat schon viel verändert. Seit sie online ist, habe
ich fast doppelt so viele Kunden. – Im Ernst? – Hm … das Problem ist: Ich
schaffe das nicht mehr alleine. Ich brauche Hilfe im Laden
und in der Werkstatt, um die Kunden nicht
mehr zu verlieren. – Warum guckst du mich so an?
Was hast du vor? Ich will dir einen Vorschlag
machen … – Hm … – Danke, das geht schon. – Hat der Mann von der Versicherung
schon angerufen? – Nein, noch nicht. Und ich hatte auch keine Zeit zum
Telefonieren. – Lisa, hast du vielleicht Zeit, den
Unfallbericht einmal durchzulesen? – Na klar! – Danke für Ihre Hilfe! – Kein Problem. Das mache ich
doch gerne. – Das könnten wir auch bei einer
Tasse Tee machen, oder? Trinken Sie eine Tasse mit, Frau Brunner? – Gerne. – Ja, okay. Vielen Dank. Auf Wiederhören! – Und? – Also, es gibt gute Nachrichten und
es gibt schlechte Nachrichten. Die gute: Wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt,
dann bezahlt die Versicherung die Reha. – Das ist doch fantastisch. – Ja, und die schlechte Nachricht ist, dass
Sie in dieser Zeit möglicherweise kein Gehalt bekommen. – Was? Aber Papa ist doch krankgeschrieben! Das Problem ist, dass Sie einen
befristeten Arbeitsvertrag haben, der diese Woche ausläuft. Wenn Sie nicht arbeiten, dann wird Ihr Arbeitgeber den Vertrag
bestimmt nicht verlängern. Deshalb muss er Sie
auch nicht weiterbezahlen. – Aber Papa hat immer gut gearbeitet.
Es gibt keinen Grund … – Selma … – Nein, das ist ungerecht! – Wir können da leider nichts machen. – Was ist mit der Unfallversicherung? Mein Vater hatte den Herzinfarkt
doch während der Arbeit. – Selma, es war aber kein Arbeitsunfall. – Und wie sollen wir unsere Miete
bezahlen? – Das kriegen wir hin! Wir werden eine Lösung finden! – Also, das gibt maximal die Note vier. – Pff!
Ich will dich mal sehen … – Kein Problem. Pass auf! – Ja und runter! – Ich krieg’ das nicht so gut hin. Wahrscheinlich weil ich
lange keinen Sport mehr gemacht hab’. Sport war früher mein Lieblingsfach. – Ernsthaft? – Hm, deins nicht? – Ne! Meine Lieblingsfächer waren
Deutsch und Geschichte. – Oh Gott! Die mochte ich überhaupt nicht. Wahrscheinlich, weil meine Lehrerin mir
immer schlechte Noten gegeben hat. – Wahrscheinlich hat sie dir
schlechte Noten gegeben, weil du schlecht warst. – Ja? Ich konnte Naturwissenschaften
immer ziemlich gut. Physik, Bio, Chemie … Mathe! Aber Deutsch und Geschichte … – Ich fand Mathe immer super ätzend! – Ich find’ das hier super ätzend. Entschuldige bitte! – Geht’s auch ein bisschen leiser? Manche Menschen wollen arbeiten! – Also wenn ihre Laune
nicht besser wird, dann zieh’ ich aus. – Und ich könnte nach der Ausbildung
wirklich bei dir arbeiten? – Ja. Das ist mein Angebot. Du müsstest es
nur wollen und du müsstest dafür arbeiten. – Okay, ich will es!
Also, wie geht’s jetzt weiter? – Zuerst müsstest du deine spanischen
Zeugnisse übersetzen lassen. Sobald du einen Platz an
der Berufsschule hast, kannst du mit der Ausbildung beginnen. – Und ich kann die Ausbildung wirklich
bei dir machen? – Ja, mein Fahrradladen ist ein
Meisterbetrieb. Ich darf auch ausbilden. – Und ich wäre nach drei Jahren
mit der Ausbildung fertig? – Genau. Und ich hätte einen
top Mitarbeiter! – Gut. Muss ich bei der Übersetzung
der Zeugnisse irgendwas beachten? Ich meine … ehm … Sind die deutschen Schulabschlüsse
anders als die in Spanien? – Ehm, etwas anders schon. Es gibt den Hauptschulabschluss,
den Realschulabschluss und das Abitur. Das kannst du auf dem Gymnasium machen. – Aber ich könnte mit meinem spanischen
Abschluss hier studieren? – Das ist kein Problem. Aber frag lieber noch mal nach. – Okay. Ich erkundige mich, ob das mit
meinem spanischen Abschluss funktioniert. Ehm … Hier steht noch, dass ich einen Nachweis
über meine Deutschkenntnisse brauche. – Du müsstest die B1-Prüfung machen. – Dann muss ich auf jeden Fall
noch ‘ne Menge lernen … – Glaubst du, du kannst das schaffen? – Auf jeden Fall! – Ich bin stolz auf dich! – Lisa? Du, es tut uns leid.
Wir wollten dich vorhin nicht stören. – Nein, es ist nur … Mein Arbeitsplan
macht mich total verrückt. Ich weiß echt nicht, wie ich das
alles schaffen soll. – Wolltest du nicht ‘n paar Sprachkurse
absagen? Oder die Privatstunden? Ist doch unglaublich stressig, wenn du
zu jedem Einzelnen hin musst. – Das ist kein Stress für mich. Außerdem:
Mit wem sollen sie denn sonst lernen? – In der Gruppe? Oder zu zweit? Du könntest dich auch mit ihnen in der
Bibliothek treffen … oder ins Café gehen. – Ich weiß, ich muss irgendwas reduzieren.
Aber ich … ich will niemanden im Stich lassen. – Lisa … – Ich weiß, ich weiß.
Ich denk’ drüber nach. Aber jetzt muss ich
erst mal neues Material für die nächste Förderstunde
zusammensuchen. – Was ist das Thema? – Es geht um Berufe …
So, wo sind jetzt meine Notizen? Die haben doch eben noch hier gelegen. Oder hab ich die in der Küche
liegengelassen? – Okay. Hör auf zu suchen!
Ich hab’ ‘ne Idee! – Und? Welcher Beruf ist das? – Bauarbeiter. – Im ganzen Satz, bitte! – Die Frau, die den Helm trägt,
ist eine Bauarbeiter … – Bauarbeiter -rrr …? – …rin? – Sehr gut! Was ist das Besondere an den Fotos,
die ich euch eben gezeigt habe? – Alle sind verkleidet? – Wieso? – Na ja …
Bauarbeiter ist ein Beruf für Männer, und im Kindergarten arbeiten
meistens nur Frauen. – Nicht ganz. Viele Männer sind Bauarbeiter.
Und viele Frauen sind Kindergärtnerinnen. Aber das sind Berufe, die im Prinzip
jeder lernen kann. Du, Zora, kannst Bauarbeiterin werden,
wenn du gerne möchtest. – Und du, Alan, kannst Erzieher in einem
Kindergarten werden, wenn du willst. Ihr könnt die Berufe lernen,
die euch interessieren und die euch Spaß machen. Egal, was es ist. So, schaut bitte auf die Arbeitsblätter,
die ich ausgeteilt habe! – Ich musste die Büros verkaufen. – Und wo arbeitet ihr jetzt? – Zu Hause oder in Cafés … Es ist schwierig, aber es geht. Immerhin musste ich niemanden entlassen. – Und hast du neue Aufträge?
Ich mein’, wovon willst du jetzt leben? – Ich rede gerade mit ein
paar kleineren Firmen, die sich für unsere Arbeit interessieren. Ähm … Es sieht ganz gut aus, und wenn das klappt,
können wir die Schulden bald abbezahlen. Und du? Arbeitest bald bei Yara? Du kannst dich ja auch
noch bei mir bewerben. – Zuerst mache ich eine Ausbildung.
Dafür muss ich eine Sprachprüfung machen. – Wofür brauchst du denn
diese Ausbildung? Wenn du die Sprachprüfung gemacht hast,
kannst du doch auch studieren. – Aber ich will nicht studieren. – Du willst also wirklich lieber
Zweiradmechatroniker werden? Aber wovon willst du leben? Womit willst du dein Geld verdienen?
Mit kaputten Fahrrädern? – Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber ich habe keine Schulden. – Ich will ja nur,
dass du jetzt keinen Fehler machst. – Okay, worum geht es hier eigentlich? Ich muss nicht reich werden. Ich will, dass mir meine Arbeit gefällt. – Sag das mal unseren Eltern. – Wieso sollte ich? – Wir rufen sie gemeinsam an. Wird Zeit, dass wir uns gegenseitig
helfen, oder? – Okay. Wenn es sein muss. – Ist das die letzte?
– Ja. – Hilfst du mir? – Ich muss noch ein
paar Getränke servieren. Die Gäste an Tisch drei haben schon
bestellt, als du in der Küche warst. – Kein Problem,
das krieg’ ich auch alleine hin. Hi, Nico! Danke schön. – Hey!
– Bitte schön. Was macht ihr? – Was meinst du? – Die Kisten. – Ach so. Ähm, wir liefern die Lebensmittel,
die am Wochenende übrig geblieben sind, an soziale Institutionen,
die sie gebrauchen können. – Cool. – Und wo kommst du jetzt her? – Ich komme gerade von
der Agentur für Arbeit. Ich will ja bald
meine Ausbildung beginnen. – Bei Yara? – Mein spanischer Abschluss
ist anerkannt worden. – Echt? Super! Freust du dich? – Ja, sehr! Als ich klein war, hab’ ich
auch schon gerne Sachen repariert und bald verdien’ ich damit Geld. – Und wenn es irgendwann einmal langweilig
wird, machst du einfach eine Umschulung. – Hm? Umschulung? – Ja. Du lernst etwas Neues. Tarek und ich haben eine
Umschulung gemacht, als wir das Restaurant eröffnet haben. – Ich helf’ dir! – Okay. Oh! Och, Nico. – Du bist in letzter Zeit nicht
so gut vorbereitet, Selma. – Tut mir leid. – Du bist immer noch gut.
Ich meine nur ist alles in Ordnung? – Ja, ja.
Ich habe nur viel Stress. – Dein Praktikum ist wohl ziemlich
anstrengend, ha? – Ja, aber es macht auch großen Spaß! Architektur ist super interessant und
mein Chef ist sehr zufrieden mit mir. – Ja, alles andere würde
mich auch wundern. – Wir nehmen gerade an einer
Projektausschreibung teil. Das ist total spannend. – Aha. Worum geht es denn? – Es geht um den Entwurf für
eine neue Brücke und ich darf auch einen Vorschlag machen. Und der Gewinnerentwurf wird
vielleicht wirklich gebaut. Stell dir das mal vor:
Eine richtige Brücke! – Wow. Selma, das ist …
das klingt großartig. – Danke. Aber es ist eigentlich ein
Wettbewerb für junge Architekten. Die können und wissen natürlich
viel mehr als ich. Es ist also sehr unwahrscheinlich,
dass ich gewinne. – Aber es ist ein Anfang! – Bis dann! – Bis dann! Ich bin schon sehr gespannt
auf deine Brücke! – Juhu! Ja! – Was ist denn los? – Alles in Ordnung? – Wisst ihr, wer vor euch steht? – Ähm …
Ein Mann, der blöde Fragen stellt? – Der Mann mit dem besten Abschluss
im gesamten Jahrgang. – Nein?
– Nein? – Gratuliere! Schön! – Das ist ja toll! – Ja. Tja, das bedeutet, ein Ende
meines Studiengangs ist in Sicht. – Dein Studium ist erst beendet, wenn du deine Studiengebühren
abbezahlt hast. – Tja, wenn ich erst mal arbeite,
wird das kein Problem. Könnt ihr euch an die Fotos erinnern,
die ich für die Zeitschrift gemacht hab? Die Berufsportraits? Die Redakteurin hat mir schon
einen Job angeboten. – Krass! – Und nimmst du ihn an? – Ich weiß noch nicht.
Dann wär’ ich ja angestellt … – Und du willst dich lieber
selbständig machen? – Schon … – Was bedeutet „selbständig“ machen? – Wenn ich selbstständig arbeite,
dann bin ich mein eigener Chef. – Und ich kann entscheiden,
welche Aufträge ich annehme und welche nicht. – Aber es kann auch sein,
dass du gar keine Aufträge bekommst. – Hehe. So wie bei Pepe … Hm? – Tja, das ist eben ‘n bisschen
unsicher, ja. Aber das muss ich ja jetzt
nicht entscheiden! Später! – Cheese! – Guten Tag. – Guten Tag. – Ich finde es ja auch kalt.
Aber übertreiben Sie nicht ein bisschen? – Übertreiben? Ich kann es nicht verstehen,
wie man diese lange Kälte aushalten kann. – Man gewöhnt sich an das Klima. – Ich hoffe! – Woher kommen Sie? – Ich komme aus Syrien. – Da ist es natürlich meistens wärmer. – Nur wärmer?
Manchmal ist es richtig heiß. Kennen wir uns? – Hm. – Ähm … Wie kann ich Ihnen denn helfen? – Ich möchte vielleicht ein gebrauchtes
Fahrrad kaufen und mich informieren. – Das heißt, Sie haben noch keins? – Genau. Aber meine Tochter Selma.
Sie hat ein Fahrrad. Sie fährt damit zur Arbeit und das ist günstiger als eine
Monatskarte für die Straßenbahn. – Das verstehe ich. Ich zeig’ Ihnen mal
unsere gebrauchten Räder, ja? – Vielen Dank. – Hallo! – Inge! – Ich hätte gerne das Mittagsmenü
und ich möchte nicht nur Bohnen, sondern auch Karotten. – Inge, schön, dich zu sehen! – Du wirkst mindestens zehn Jahre jünger. – Der Urlaub war offenbar
sehr entspannend. – Macht euch nur lustig! Ich erfreue mich bester Gesundheit. Es sei denn, Alter ist eine Krankheit. – Heißt das etwa,
der Urlaub war anstrengend? – Ach, der Urlaub war toll. Das Problem war das Wetter. Je größer die
Temperaturschwankungen sind, desto stärker spüre
ich meine Knochen. – Ich mache dir erst mal einen Tee, dann
werden die Beschwerden gleich besser. – Ach, das ist lieb, danke! – Inge, wo wart ihr noch gleich? – In Ägypten. – In Ägypten!
– Schön! – Ich hoffe, ihr wart nicht nur im Hotel,
sondern auch im Landesinneren? – Unser Hotel war im
Landesinneren. – Inge! – Aber natürlich haben wir uns auch
die Sehenswürdigkeiten angeschaut. Das Tal der Könige,
Gizeh, die Pyramiden … – Toll! – Ja, aber diese vielen Touristen! Das war furchtbar! Die alten Pharaonen würden sich
im Grabe umdrehen. – Habt ihr etwa keinen Selfie-Stick
gekauft? – Ha ha, Jacques wollte. Männer werden einfach nie
erwachsen. Ach, danke! Ach ne, ne. – Hallo, Inge! Du bist
aus dem Urlaub zurück. – Ja. Und du?
Was gibt’s bei dir Neues, Nico? – Nico wird bald bei Yara im Fahrradladen
eine Ausbildung machen. – Wirklich? Das ist ja toll! – Das wird eine harte Zeit, Nico.
Das weißt du hoffentlich. – Wieso? – Yara ist eine harte Chefin. Du wirst
Tag und Nacht arbeiten müssen. – Bei uns wäre das anders gewesen. Du hättest im Restaurant die Zeit
deines Lebens haben können. – Lass dir nichts einreden! – Das stimmt. Zumindest im Winter. – Im Sommer ist wegen der vielen Gäste
draußen auch mehr Betrieb. – Aber im Winter ist es im Fahrradladen
ja auch ruhiger: Wegen des Wetters fährt ja
fast niemand Fahrrad. – Du wirst dich wundern! – Wir zumindest fahren bei Schnee
und Eis mit dem Fahrrad. Es tut uns leid, Nico, aber du wirst
nie wieder Freizeit haben. – Dafür gibt es im Sommer wegen der
Hitze am Mittag eine Siesta. – Hahaha. In Spanien vielleicht. – Du wirst deine Gewohnheiten
ändern müssen. – Also ich finde Siesta super. – Ja, vielleicht machen wir eine Siesta. Dann können wir Nico im Fahrradladen
besuchen, denn er muss mittags arbeiten. – Ich weiß nicht, was mit denen
heute los ist. – Zu viel Arbeit … – Guten Tag, Frau González! – Guten Tag. – Äh, könnte ich bitte einen Kaffee haben? – Gerne. – Wie geht es Ihnen? – Danke, gut. Aber vielleicht bald nicht mehr, wenn weiterhin jeder seine
Abgase in die Luft bläst. – Hm? – Nicht Sie … – Schon wieder Herr Murz? – Wenn er minutenlang seinen Motor
nicht abstellt, dann ist das nicht nur Lärmbelästigung. Es ist auch schlecht für die Umwelt! – Vielleicht wollte er den Wagen aufheizen. – Wenn die Belastung weiter zunimmt
und die Klimaprognosen der Forscher und
Experten eintreten, dann wird sich hier bald
sowieso alles erwärmen. Herzlichen Glückwunsch! – Also ich wäre nicht böse über
eine Klimaänderung. Die Kälte heute ist wirklich furchtbar. – Die globale Erwärmung ist eine Tatsache. Es wird immer wärmer. Und es werden immer mehr Treibhausgase
in die Atmosphäre geblasen. Von Menschen wie Herrn Murz! – Ach, nun kommen Sie schon. – Was zahlt der Ihnen eigentlich, damit
Sie ihm das alles durchgehen lassen, hä? – Mehr als Sie … – Möchtest du ein Plätzchen? Hab’ ich
heute Morgen frisch gebacken. – Vielen Dank! – Also, ich will auch eins! – Weil du so lieb „bitte“ gesagt hast? – Hm … Die sind aber nicht von dir! – Wieso nicht? – Weil die so wahnsinnig lecker sind. – Ja! Lecker! – Gut. Das war dein letztes. Lisa, möchtest du auch ein Plätzchen? – Danke! – Was machst du denn da? – Ähm, ich muss morgen das Thema
Recycling und Umweltschutz im Unterricht behandeln.
Aber ich weiß noch nicht, wie. – Und wieso? Wo ist das Problem? – Na, das Thema ist total wichtig. Aber wenn der Unterricht
nicht spannend ist, dann ist es total langweilig. – Langweilig? Also pass mal auf: Wenn wir unseren Planeten
weiterhin so ausbeuten, dann brauchen wir
2030 mindestens zwei Erden. Und du kannst deinen Schülern auch sagen,
dass jeden Tag 130 Tierarten aussterben. Nur mal so. – Was? – Insekten zählen auch dazu. – Also je statistischer das Thema,
desto langweiliger wird es. – Stimmt überhaupt nicht. – Doch, das ist viel zu abstrakt. Meine Schüler sollen ja selber aktiv werden. Sie sollen ein
Umweltbewusstsein entwickeln und sich über ihr
Konsumverhalten klar werden. – Na ja, es reicht ja eigentlich schon,
wenn du mal ‘ne Woche kein Plastik kaufst. Das Zeug ist sowas von umweltschädlich. – Das ist super! – Ach, das ist super?
Das ist ultralangweilig! – Also, wenn die mal eine Woche
auf Plastik verzichten würden, dann würden sie ja merken,
was alles aus Plastik ist. Das ist toll! – Ja! – Also, also hier sitzt ein Mensch
mit zwei Gehirnen, ganz klar. Und vielen Plätzchen. – Was ist … was ist Gehirn? – Ihr sollt nicht euer ganzes Leben lang
auf Plastik verzichten, sondern nur eine Woche. Kommt schon! Plastik ist eine wahnsinnig
große Umweltbelastung. Wusstet ihr, dass
viele Tonnen Plastik im Meer schwimmen? Die Fische werden krank davon. Wir essen die Fische, dann werden wir krank davon. Das ist ein Kreislauf. Also! Macht ihr mit? – Sie auch, Frau Brunner! – Natürlich! – Nina, ist das dein Ernst?
Ich hab’ Hunger! – Lisa, du hast deiner Klasse versprochen, eine Woche auf Plastik zu verzichten. – Umweltschutz ist kein Zuckerschlecken! – Du hast ja recht. Gegenvorschläge? – Also erzähl mal: Wie geht’s denn
mit deiner Brücke voran? – Du meinst die Brücke
für den Wettbewerb? – Ja, genau. – Ich habe ziemlich viel zu tun, trotzdem
bin ich schon weitergekommen. – Und bist du zufrieden? – Hm, noch nicht ganz. Aber ich hatte die Idee, Solarzellen an
die Seiten zu montieren. Die können die Lampen auf der Brücke
dann mit Strom versorgen. Das fanden ein paar andere gut und
machen jetzt mit. – Cool! – Ich finde alternative Energien sowieso am
interessantesten, auch in der Architektur … Man kann auch an Gebäuden viel
Energie sparen. Das ist so spannend! – Ja, ich hab’ neulich einen Artikel über
intelligente Häuser gelesen. – So, zwei Mal die Tagessuppe.
Bitte schön. Guten Appetit. – Danke. – Hallo, Tarek. – Na, hallo! – Ist Max gar nicht hier? – Nein, der hat heute frei.
Möchtest du was essen? – Ähm, gleich. Lisa, hallo! – Hallo, Yara. Wie geht’s? – Gut. Ähm, ich will auch gar nicht
lange stören, aber wenn ich dich jetzt gerade sehe … – Was gibt’s denn? – Ähm, ich will für morgen einen kleinen
Flohmarkt für Flüchtlinge organisieren. – Ähm, gebrauchte Sachen, Fahrräder,
Klamotten … Wenn ihr irgendwas habt, was ihr nicht
mehr braucht, dann bringt’s gerne vorbei. – Ja, das ist ‘ne super Idee. Ich sag’
gleich meinen Schülern Bescheid und du deinen Eltern! – Ja, auf jeden Fall.
Das ist echt sehr nett, vielen Dank! – Entschuldigung, Yara. – Selma. – Selma? Nicos Selma? Freut mich! Dann sehen wir uns morgen! – Bis morgen. – Bis dann. – Also Selma … Du und Nico:
Was ist denn da los? – Guten Tag! Fromme mein Name. Sind Sie
die Veranstalterin des Flohmarkts? – Ja, die bin ich. – Ich bin vom Lokalteil des Tageblatts.
Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen? – Klar, gerne. – Wie sind Sie auf die Idee
für den Flohmarkt gekommen? – Ganz einfach. Man kann nicht immer
alles neu kaufen. Hier wird recycelt. Gebrauchte Gegenstände werden hier nicht
weggeworfen, sie wechseln den Besitzer. – Das Besondere hier ist ja, dass alles
umsonst ist. Warum? – Wenn Sie etwas wegwerfen, bekommen Sie
doch auch kein Geld dafür, oder? – Das hier ist doch toll! – Das hier find’ ich schöner. – Frau González? – Entschuldigung,
was wollten Sie noch wissen? – Na ja, ich weiß nicht … – Ich versteh’ dein Problem nicht. – Worüber redet ihr? – Die Zeitung, in der der Artikel über
Yaras Aktion erscheinen wird, die würden kostenlos ‘ne Annonce für
den Laden drucken. – Das ist doch super. – Ich glaube, der Reporter hat sich
in mich verknallt. – Na und? Du kannst
jede Werbung gut gebrauchen. Und du solltest jede Möglichkeit, mit der du mehr Leute
in deinen Laden kriegst, nutzen. – Na ja, schon. – In welcher Rubrik würden sie
die Annonce denn platzieren? – Die Annonce würde wahrscheinlich
im Lokalteil erscheinen. – Sport wär’ besser. – Das entscheide ich nicht. – Na ja, wer weiß … – Was bedeutet Rubrik? – Rubriken sind Teile in der Zeitung,
in denen es um verschiedene Themen geht, wie, ähm,
Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur … – Kultur nennt man oft Feuilleton.
Das ist Französisch. – Jedenfalls solltest du das Angebot, das
er dir gemacht hat, unbedingt annehmen. Pass auf:
Ich entwerfe dir noch heute eine Annonce und du meldest dich dafür
bei dem Reporter. Einverstanden? Vielleicht ist er ja wirklich nett.
Immerhin bist du Single, oder? – Hey! – Zuerst wird eine Idee für
einen Artikel vorgeschlagen und dann mit der
Redaktionsleitung besprochen. Hey, Harry, den letzten Schnaps
gestern gut verkraftet? Erst dann beginnen die Reporter zu
recherchieren und Interviews zu machen. Dann werden die Artikel geschrieben.
Danach wird lektoriert. Zum Schluss werden dann alle Artikel
zusammengefasst von den Grafikern. Und dann erst geht das
Ganze in den Druck. – Wow … Das klingt nach viel Arbeit. – Natürlich. Wir sind alle Profis.
Und wir wollen’s auch gar nicht anders. Das hier ist die Lokalredaktion
– das Herz der Zeitung. – Ich möchte mich noch
einmal sehr bedanken, dass die Anzeige kostenlos
abgedruckt wird. – Gar kein Problem.
Dafür ist man Chef, nicht wahr? Da kann man hin und wieder auch mal
jemandem einen Gefallen tun. – Ich weiß das wirklich sehr zu schätzen. – Wir können ja mal einen Kaffee
trinken gehen, wenn Sie wollen. Ich zahl’ auch! Also, klar. Ich mein,
das ist ja etwas Gutes. Nicht wahr? – Und dann wollte er mit mir Kaffee trinken. – Wieso hast du’s nicht gemacht? Du hättest es bestimmt noch
auf die Titelseite gebracht! – Hör auf. Ich schäme mich jetzt schon. – Ach Quatsch … Aber kein Wunder, dass heutzutage
niemand mehr Zeitung liest. Keine Sorge, die Annonce war trotzdem
ein guter Deal. Sie wird dir helfen. – Ich lese total gerne Zeitung. Und ich bin mir sicher,
ich bin nicht die einzige. – Wann liest du denn Zeitung? – Ich lese am liebsten morgens. Dazu trinke ich dann eine Tasse Kaffee. Oder abends vor dem Schlafengehen. – Aber man liest doch heutzutage
alles im Handy nach. Zeitungen sind unpraktisch und
einfach nicht mehr modern. – Journalismus ist immer noch
extrem wichtig. Und Zeitungen werden auch immer
wichtig sein. Die meisten Zeitungen haben
heutzutage eine App. – Die meisten, aber nicht alle, oder? – Was meinst du? – Ich begrüße Sie ganz herzlich. Mein Name ist José González.
Aber bitte nennen Sie mich Pepe. Ich präsentiere Ihnen eine vollständige
digitale Lösung für Ihre Zeitung. Wir entwickeln für Sie nicht nur
Apps und Internetseiten, wir stellen Ihnen auch Lösungen für
steigende Leserzahlen vor. Die vielen Vorteile liegen natürlich
auf der Hand. Mit der neuen App werden mehr Leute
Ihre Zeitung lesen. Ich bedanke mich
für Ihre Aufmerksamkeit. – Hallo, Otto! – Hallo, Thomas. Schön, dich zu sehen.
Wie war der Urlaub? Bestimmt total günstig, he? Wir werden bald sehr groß, Otto …
größer als jede andere Zeitung in der Stadt. Soziale Netzwerke, digitale
Versionen, Apps – und wir sind dabei! Und für dich ist es dann auch besser.
Dann lesen mehr Frauen deine Anzeigen. – Ich habe eine Bitte, Thomas. – Ich weiß. Wie willst du
diesmal heißen? Jerôme? Rodrigo? – Das ist es nicht … – Wie soll ich dich in deiner nächsten
Kontaktanzeige beschreiben? Der einfühlsamste Mann
der Welt sucht seine Erfüllung? Total verständnisvoller,
charmanter als alle anderen Männer? Oder lieber ein bisschen direkter? Der Mann, vor dem Sie
Ihre Kinder warnen, aber von dem Sie ganz
heimlich träumen? – Thomas … Ich möchte
keine Kontaktanzeige mehr. – Was? Wieso? – Ich habe mich total verliebt, Thomas.
Und zwar echt. Sie ist die tollste, lustigste Frau, die ich
in meinem Leben kennengelernt habe. Und ich möchte, dass du mir hilfst,
sie nie mehr zu verlieren. – Wir kennen uns jetzt seit
fünfzehn Jahren, Otto. Seit zehn Jahren schalte ich
Kontaktanzeigen in meiner Zeitung für dich. Den Gefallen tu ich dir
sehr gerne, mein Freund! – Hallo? Wir wurden gerufen! – Hallo! Ähm, ja! Das Ganze ist uns
wirklich unglaublich peinlich, aber es handelt sich um ein
ärgerliches Missverständnis. – Ein Missverständnis? – Ja. Wir können das aber alles,
äh, erklären! – Hm. – Max? – Ja. Ähm, es war normaler
Betrieb zur Mittagszeit. Nico saß im hinteren Bereich. – Ja und dann begann Inge zu husten. – Alles in Ordnung, Inge? – Es klang richtig gefährlich.
Sie wurde ganz rot. – Hier … trink das! Trink das! – Inge trank das Wasser und
der Husten wurde etwas besser. – Inge lächelte sofort wieder,
ging aber auf Toilette, um sich frisch zu machen. – Ich geh’ mich schnell frisch machen. – Wir sind dann zurück
in die Küche gegangen, während Nico offenbar mitbekam,
dass Inge auf der Toilette wieder einen Hustenanfall bekam. – Davon hatten wir gar nichts mitbekommen,
weil die Tiegelwurst angebrannt ist. – … und als ich das
in der Küche gesehen habe, rief ich laut: Scheiße, die tote Oma! – Die tote Oma? – Ja, das Gericht „Tiegelwurst“
hatten wir so genannt. Das ist umgangssprachlich. – Ja, Nico hatte das aber wörtlich genommen.
Er ist nicht aus Deutschland. – Es tut mir leid! Ich war ängstlich. Ich dachte, Oma Inge wäre
wirklich etwas passiert. – Du bist herrlich, Nico! – Ja, das alles ist uns
wirklich sehr peinlich. Wir bedauern sehr,
dass Sie kommen mussten. – Aber das war keine böse Absicht! – Nein. Das hätte jedem passieren können. Also jedem, der die Sprache nicht kennt. – Eigentlich sollten wir Nico dankbar sein. Er hat Zivilcourage bewiesen! Er hatte sich Sorgen gemacht. – Genau! Eigentlich ist es
gar nicht peinlich, wenn jemand es gut meint! – Sollen wir uns denn Ihren Hals
mal anschauen, junge Frau? Wenn wir schon einmal hier sind … – Junge Frau, Sie machen mich
ganz verlegen. Mir geht’s gut! – Dann einen schönen Tag noch! – Ah, danke! Ihnen auch!
– Dankeschön! – Schönen Tag noch!
– Wiedersehen! – Ich mach‘s schon … – Wiedersehen! – Wiedersehen! – Vielen Dank. Bis dann! – Hey! – Hallo! Die Al-Paschas haben uns
für heute Abend zum Essen eingeladen. – Ja? Wirklich? – Als Dankeschön für den
Flohmarkt und das Fahrrad. – Bin ich auch eingeladen? – Ja, wieso nicht? Ich dachte, du
bist mit Selma befreundet. – Ja, schon. – Was machst du? – Ich erkundige mich nur
nach Benimmregeln in Syrien. Mir ist heute schon etwas Peinliches
passiert. Das reicht. Hier steht: „Wenn Sie eine
syrische Familie begrüßen, sollte der Mann der Frau
nicht die Hand geben. Das ist unüblich und
gilt als unhöflich. Außerdem wird sich nach
dem Befinden der Familie erkundigt.“ – Wir kennen die Familie
überhaupt nicht. – Ja und? Hier steht,
es gehört sich so. – Du nimmst das ganz schön ernst. – Hm? – Hat das etwas mit
dieser Selma zu tun? – Nö … hmhm. – Hallo, ich bin Yara. – Ich bin Aya. – Meine Frau. – Freut mich sehr.
Vielen Dank für die Einladung. – Selma, meine Tochter. – Hallo!
– Hi! – Hallo, ich bin Nico.
Freut mich, Sie kennenzulernen. – Bitte, setzen Sie sich. – Wir können uns gerne duzen. – Wie geht es der Familie? – Welcher Familie? – Ja, eurer Familie. – Ich denke, der Familie geht’s gut.
Und, äh … deiner Familie? – Ich denke auch. – Hm … Nachtisch. – Hm … Sieht toll aus! – Vielen Dank! – Bitte! Ich möchte nicht,
dass du hungrig nach Hause gehst. Du musst probieren! – Sind in Syrien alle
Menschen so gastfreundlich? – Ja. Aber in Deutschland auch. Ich hab’ den Eindruck, dass viele
Verhaltensregeln sehr ähnlich sind. – Da musst du Nico fragen,
er ist der Experte. – Hm? – Ich verstehe.
Darum die Frage nach der Familie. – Ich habe gelesen, dass es höflich ist,
zu fragen, wie es der Familie geht. – Wenn man die Familie kennt, ja. Aber es ist toll,
dass du dich informiert hast. – Auf Wiedersehen! – Tschüss!
Und vielen Dank für das tolle Essen. – Bis bald! – Danke. – Selma und du …
Das ist ja wohl glasklar. – Leider nicht.
Es ist sogar ziemlich kompliziert … – Nico! – Selma! – Du willst wohl heute Abend feiern? – Ja, na ja. Yara besteht darauf,
dass Pepe, sie und ich auf unseren neuen
Lebensabschnitt anstoßen. – Neuen Lebensabschnitt? – Na ja, weil wir alle
in Deutschland bleiben und ich hoffentlich bald in Yaras
Laden anfange zu arbeiten … – Das ist toll, Nico. Wirklich. – Ich hätte gerade eben fast den Sekt
und den Wein nicht bekommen. – Die Verkäuferin wollte mir die
Flaschen nicht verkaufen, zumindest nicht ohne Personalausweis. – Hat sie dir nicht geglaubt,
dass du volljährig bist? – Mal ganz ehrlich: Sehe ich aus wie siebzehn? – Es ist ein Kompliment, dass die Verkäu-
ferin dich nach deinem Ausweis gefragt hat. Du siehst eben jünger aus, als du bist. – Danke … – Das war ein schöner Abend gestern … – Ja, das fand ich auch. – Ich vermisse dich, Nico … – Dann treffen wir uns morgen!
Nur kurz. Egal wie, aber ich muss dich sehen. – Ich schreibe dir! – Du belügst deine Familie immer noch. Mit ihm? Das ist eine Schande! Als wir in Syrien lebten,
hast du nie gelogen. Seit du dich mit ihm triffst, tust du das. – Herr Al-Pascha, wir haben uns
nur zufällig getroffen. – Glaubst du, ich bin ein Idiot? Dieser Mann lügt mich an. Er bringt dich dazu, zu lügen. Ihr kauft sogar schon Alkohol! Er ist kein Umgang für dich! – Hey! – Seit wann seht ihr euch schon? – Es geht Sie überhaupt nichts an,
wen Ihre Tochter sieht. – Es geht mich nichts an? Es geht mich nichts an, wenn meine
Tochter ihr Leben wegwirft? Was sind deine Erwartungen vom Leben? Was sind deine Perspektiven? Du hast keine! Wie willst du für meine Tochter sorgen? – Ich liebe ihn, Papa! – Ich liebe dich auch, Selma.
Du bist meine einzige Tochter! Deshalb verbiete ich dir, ihn zu sehen. Zu deinem eigenen Wohl! – Das können Sie nicht. – Selma! – Bevor ich ein Restaurant hatte,
hab’ ich lange als Koch gearbeitet. In einem Bistro, das ganz ähnlich aussah
wie euer Restaurant. – Bevor wir das
Restaurant aufgemacht haben, hatte ich in einer Firma
als Elektriker gearbeitet. – Und ich war Bankkaufmann. – Nein, wirklich? Das ist ja erstaunlich. Da arbeiten Sie jetzt ja in einem
ganz anderen Beruf. – Aber es hat sich gelohnt. – Auch wenn die Gastronomie ganz
schön anstrengend ist. – Ja, wem sagen Sie das. Aber man erlebt viel in der Gastronomie. Bevor ich den Job als Koch hatte,
war ich Spüljunge in der Küche. Na, das waren Zeiten. Ich könnte
ein Buch drüber schreiben. – Ts, deine Biografie will doch
gar keiner lesen. – Was? Aber vielleicht interessieren sich die
Menschen ja für meine Erfahrungen. – Jaques, wir würden es lesen.
Nicht wahr, Max? – Ganz sicher! – Da! Zwei Käufer haben wir schon! – Hey, habt ihr zufällig Nico gesehen?
Er hatte gesagt, dass er einkaufen wollte. Er ist jetzt aber schon
seit Ewigkeiten unterwegs. – Seit er gestern die Sanitäter gerufen hat,
hab’ ich ihn nicht mehr gesehen. Du? – Otto! Was machst du denn hier? Hallo, Otto! Ich bin’s, Yara. – Entschuldigung, das muss aber eine
Verwechslung sein. Das ist Jacques. – Nein, ganz sicher nicht. Das ist Otto
aus Duisburg. Ich kenne ihn schon seit Jahren.
Ich kaufe gebrauchte Fahrräder von ihm ab. – Inge … – Sag nicht, dass sie recht hat. – Was ist denn hier los? – Das würde ich auch gerne wissen. – Lass es mich erklären! Inge! Inge! Inge, warte! – Inge! Inge, bitte! Ich weiß, du bist wütend. Und … und du hast jedes Recht dazu.
Ich habe gelogen. Ich bin nicht Jacques, ich habe keine Restaurants und … und ich komme auch nicht aus Frankreich. – Ging’s immer ums Geld? Das Geld zum Kaufen des Champagners, das Geld zum Bezahlen des Urlaubs … – Du bekommst alles wieder! – Na, ich will nichts zurück, Jacques! Kannst du das nicht verstehen? Mir ist das Geld egal! Ich brauche das zum Glücklichsein nicht. War irgendetwas wahr? – Was meinst du? – Ich meine: War irgendetwas wahr
von dem, was du gesagt hast? Und bitte … bitte, dieses eine Mal, lüg’ mich nicht an. – Alles über mich ist gelogen. Aber … aber jetzt seit unserem Urlaub ist
plötzlich alles wahr geworden. Ich will einen Neuanfang mit dir. Und ich glaube, dass alles
funktionieren kann. Ich weiß, du musst ein furchtbares
Gefühlschaos haben und ich weiß, dass ich schuld bin. Aber mein Herz und mein Verstand
sagen mir … Fang bloß nicht an, von Herz
und Verstand zu sprechen! Beides hast du nicht. Und ich glaube dir
kein einziges Wort mehr. Ich will dich nie mehr wiedersehen, Jacques! – Ich glaube nicht, dass „Jan im Sack“ ein
Gericht aus Baden-Württemberg ist. – Hier steht „eine Spezialität
der Stadt Oldenburg“. – Ach und Oldenburg liegt in
Baden-Württemberg? – Ja. Also, dachte ich. – Du bist nicht nur im falschen Bundesland,
du bist in der komplett falschen Region. Oldenburg liegt im Nordwesten
des Bundeslandes Niedersachsen. – Oh, ups … Hey, Nico. – Hey, ich suche mein Vokabelheft.
Hab’ ich es zufällig hier liegen lassen? – Ja. Im linken Schrank unter der Theke. – Super. Ich brauche es nämlich,
weil ich später meine B1-Prüfung habe. – Echt? Viel Erfolg! – Danke! – Yara hat dich gestern gesucht. – Hat sich alles schon geklärt. Ähm … Jan im Sack? Was macht ihr hier? – Ahm, wir suchen klassische deutsche
Gerichte mit total verrückten Namen. Wie „tote Oma“. – Wir erklären die Herkunft des
Gerichts und wie man es zubereitet. Und die Videos stellen
wir dann ins Internet. – Coole Idee! – Danke! – Viel Erfolg! – Danke! – Also … woher kommt „kalter Hund“? – Kalter Hund … – Mir ist das doch vollkommen egal,
womit Sie sich in Ihrer Freizeit beschäftigen. Aber
die Nachbarn haben sich beschwert. – Wer hat sich beschwert? Etwa Herr Murz? Worüber denn? – Na ja, es war den ganzen
Tag über sehr laut, und da war ein großes Gedränge vor
der Eingangstür. – Ein großes Gedränge … – Ich gebe doch nur wieder, wovon mir
berichtet wurde. – Ja, natürlich … – Sie hätten mich einfach vorher
anrufen können. Wofür gibt es heutzutage Handys? – Wir haben den Hauseingang
extra frei gelassen und zu den Ruhezeiten
war alles wieder abgebaut. – Sie meinen …? – Ich habe nichts falsch gemacht. Ich meine … Worüber reden wir hier eigentlich? Haben Sie nichts Besseres zu tun? Wir engagieren uns für Flüchtlinge
und Sie interessiert nur der Lärm? – Überlassen Sie das doch
besser den Politikern. – Ich finde,
dass Politiker viel zu wenig tun. Also müssen wir uns eben selbst
mehr engagieren. – Warum engagieren Sie sich nicht
direkt in der Politik? – Vielleicht mach’ ich das ja sogar. – Ich weiß nicht, ob ich gut genug bin. – Keine falsche Bescheidenheit,
Bruderherz! Du sprichst großartig. Du kannst die Regeln. Sei einfach entspannt. – Hey, Pepe.
– Hi! – Äh du, ich weiß, ihr lernt gerade für
die Sprachprüfung. Aber kannst du vielleicht mal kurz
über meine Steuererklärung schauen? Ich mach’ das zum ersten Mal
und ich hab’ da noch nicht so die Gelassenheit. – Ich komm’ alleine klar. – Bist du sicher?
– Ja. – Dann helf’ ich dir. – Ach, vielen, vielen Dank! Jetzt hab’
ich ein bisschen Klarheit. Ich wusste nicht, dass ich meine
Fahrtkosten für meine ehrenamtlichen Tätigkeiten absetzen kann. – Manchmal geht’s, manchmal nicht. Du solltest es aber
auf jeden Fall probieren. – Mich wundert, wie du die ganzen
Sachen überhaupt schaffst. – Mich auch. – Machst du Sport? – Ähm … – Ähm. Ich meine,
wenn ich so viel zu tun hab’, dann brauch’ ich immer
irgendeinen Ausgleich. – Nein, tu ich nicht. Was machst du? – Boxen. Das ist anstrengend und
man kann sich super abreagieren. Aber das ist vielleicht nicht
das Richtige für dich. – Also, um ehrlich zu sein, wollte ich das schon
immer mal ausprobieren. – Okay. Wann? – Jetzt? – Okay, dann gehen wir! – Tschüss! – So, das war’s.
Ich kann nicht mehr lernen. – Was du bis jetzt nicht weißt, wirst du in den nächsten zwei Stunden
auch nicht mehr hinbekommen. Ruh dich lieber noch ein bisschen aus. – Da hast du recht. – Überraschung! – Was ist das? – Das hier ist die Wahlbenachrichtigung
für die Landtagswahl im nächsten Monat. – Ich kann mich nie entscheiden,
liberal, sozial … – Na ja, also Hauptsache nicht konservativ! – Das kann man so auch nicht sagen … – Wen oder was wählt man in Deutschland? – Es … ist ein bisschen kompliziert. Also im nächsten Monat
wählen wir den Landtag für das Bundesland, in dem wir wohnen. Dann gibt’s noch Kommunalwahl, Bundestagswahl und Europawahl. – Sebastian versteht es scheinbar
auch nicht so ganz. – Also, ich verstehe es gut genug,
um keinen Quatsch zu wählen. – Wir leben in einer Demokratie. Viele Meinungen sind erlaubt. – Und wählt man eine Person
oder eine Partei? – Also, es ist so: Mit der Erststimme wählt man den
Kandidaten des jeweiligen Wahlkreises. Mit der Zweitstimme die Partei. Wenn eine Partei oder beziehungsweise
wenn von einer Partei mehre Kandidaten gewählt wurden,
als sie Sitze hat, dann gibt es Überhangmandate. Aber so genau versteh’ ich das auch nicht. – Aha … – Jetzt du! Ich dachte, du boxt zum ersten Mal? – Ich boxe auch zum ersten Mal. – Dafür muss das Säckchen
aber ganz schön einstecken! – Ja, ich hab’ in meiner Kindheit nicht
mit Puppenhäuschen gespielt. Ich war mit den Jungs unterwegs.
Da wird man nicht zimperlich. – Wo bist du denn aufgewachsen? – Im Ruhrpott. – Da wurde viel Steinkohle für die
Industrie abgebaut, oder? – Ja, dafür ist das Gebiet besonders
bekannt. Während der Industrialisierung
hat es angefangen und danach verwandelten sich die
ganzen kleinen Städtchen nach und nach während des wirtschaftlichen
Umschwungs in Großstädte … – Mehr Kraftwerke, mehr Arbeiter. – Ja. Und je mehr Arbeiter, desto mehr Arbeiterjungs,
die frech werden konnten. – Wann bist du von dort weggezogen? – Äh, als ich mit dem Studium
angefangen habe. Das Ruhrgebiet hat seinen Charme,
aber es sind alles Arbeiterstädte. Und die sind alle nicht besonders schön. – Ja, im Krieg wurde viel bombardiert, oder? – Ja, ich beklage mich auch nicht. Ich sage nur, dass es schönere Orte gibt. – Wie spät haben wir’s? – Äh, keine Ahnung. – Kannst du mir dein Auto leihen? – Ja, klar. – Ja?
– Ja. Äh, warte! – Hallo, Selma. Was liest du? – Das Architekturbüro hat ein neues
Wohnungsbauprojekt. Auf dem Gebiet eines ehemaligen Tagebaus
im Ruhrgebiet werden ökologische Wohnungen für
verschiedene Generationen gebaut. Ich informiere mich darüber. – Tagebau? – Während des industriellen Zeitalters
um 1800 entdeckte man im Ruhrgebiet große
Kohlevorkommen. Seitdem wurde im Ruhrgebiet unter
schweren Arbeitsbedingungen viel Bergbau betrieben. Die Region hatte während des Aufschwungs
fast 6 Millionen Einwohner. Heute ist die Nachfrage an Braun- und
Steinkohle gesunken und deshalb werden viele Bergwerke
geschlossen. Und die Frage ist: Was macht man mit
ihnen? Schrebergärten kann man nicht überall
bauen. Zufrieden? – Selma, achte auf deinen Ton! Du musst mich und deinen Vater verstehen. – Und wer versteht mich? Hey, Lisa. Ich brauche deine Hilfe! Liebe Grüße, Selma. – Inge!
Bitte! Lass mich rein! Wenn ich könnte, ich würde alles
rückgängig machen. Die ganze Lügerei so viele Jahre lang. Es ist einfach passiert. Ich komme aus Duisburg, Inge. Mein Vater war Arbeiter in der
Stahlindustrie … und ich später auch. Wir sind wie so viele in den 60er-Jahren
ins Ruhrgebiet gezogen. Bis es dann keine Arbeit mehr gab. Aber ich sah gut aus. Mit den Frauen klappte es immer. Und immer, wenn ich mit einer ausgegangen
war, bestand sie darauf, mich einzuladen … den armen arbeitslosen Burschen. Irgendwann … irgendwann habe ich das
dann genutzt … und verinnerlicht. Meine Miete zahlte ich mit
Gebrauchtwagenhandel, Fahrrädern, allem möglichen Kram. Und die Frauen ermöglichten mir
ein schönes Leben. Ein schönes Leben … das bedeutet jetzt nur noch, mit dir
zusammen zu sein, Inge. Und ich allein bin schuld, wenn
das ein Traum bleibt. – Entschuldigen Sie, dass ich Sie störe. Guten Tag.
– Guten Tag. – Sie stören nicht. Bitte, setzen Sie sich. – Ich habe leider nicht viel Zeit. Ich habe kurzfristig zwei Tickets für eine spannende Kulturveranstaltung
in der Stadt bekommen. Es wird eine sehr interessante
Ausstellung geben und ein neues Theaterstück
wird aufgeführt. Danach gibt es noch einen
tollen Film im Kino. – Das klingt interessant. – Ja, das ist auch sehr interessant, weil die Ausstellungen das aktuelle Thema
„Flucht und Heimat“ haben. Und ich dachte, es wäre vielleicht schön,
wenn Selma mich begleitet. – Selma hat dafür leider keine Zeit. – Ibrahim! Du solltest Selma gehen lassen. – Also mich würde interessieren,
wobei ich dir helfen soll, weil ich deine Eltern gerade
eiskalt anlügen musste. – Es tut mir leid, es war eine Notlüge! Ich muss zu Nico! Weißt du, wo er ist? – Ja komm! Wir müssen uns beeilen! – Und? – Ich weiß nicht … – Wie ist dein Gefühl? – Gut. – Nico! – Selma! – Ist die Prüfung schon vorbei? – Ja, ich bin gerade fertig geworden. – Oh, ich dachte schon, wir kommen
viel zu spät. – Ich muss mit dir reden! – Wir warten draußen. – Ja! Ja. – Nico … – Du musst nichts sagen. Ich hätte dich niemals in diese Situation
bringen dürfen. – Welche Situation? – Du solltest dich niemals zwischen mir und
deinen Eltern entscheiden müssen. – Das warst nicht allein du. – Ich weiß. Und ich wünsch’ mir auch, dass wir einfach
so zusammen sein können. Ich würde alles dafür geben. – Ich auch. – Aber das können wir nicht. Also ich … ich hab’ Angst, dass du es bereuen würdest,
wenn du dich jetzt für mich entscheidest. – Warum sagst du das? – Meine Familie ist ein totales Chaos. Und ich werde nicht der Grund dafür sein,
dass noch eine andere kaputtgeht. – Machst du Schluss? – Wir waren nie zusammen, Selma … – Es ist wirklich unglaublich, was du
geschafft hast! – Ich weiß doch noch gar nicht, ob ich
die Prüfung bestanden habe. – Ich bin überzeugt,
dass du bestanden hast. – Hoffentlich reicht’s. Ich bin mir wegen des Briefs, den
ich schreiben musste, nicht sicher. Und ich habe Angst, dass ich im
schriftlichen Teil meines Tests zu viele Fehler gemacht habe. – Du wirst wegen ein paar Fehlern
schon nicht durchfallen. Du musst dir keine Sorgen machen. – Ich weiß nicht, ob ich es schaffe,
mir keine Sorgen zu machen. – Noch drei Gläser davon und
das Problem ist gelöst. – Und bald beginnt dann deine Ausbildung. Da wirst du noch viele Prüfungen
machen müssen. – Stimmt. Und ich bin gespannt auf
alles, was jetzt kommt. – Diese Prüfung ist der erste Schritt
auf deinem neuen Weg. Auf Nicos Weg! – Auf Nicos Weg! – Bist du dir sicher? – Wir leben hier seit mehr als einem Jahr. Der Krieg in unserer Heimat wird
noch lange dauern. Meine Frau liebt dieses Land und meine Tochter hat die Chance,
hier zu studieren. Ich plane eine Zukunft hier, Pepe. Und ich habe vor,
eine gute Zukunft zu haben. – Ich bin kein Fachmann, Ibrahim, aber
du kommst nicht aus einem EU-Land. Und ich glaube, nicht einmal deine
Abschlüsse werden einfach so anerkannt. – Das weiß ich. – Und trotzdem willst du hier
eine eigene Praxis eröffnen? – Nicht sofort, vielleicht
in ein paar Jahren … Ich hab’ dir gesagt, meine Familie
verdient eine Zukunft in diesem Land. Ich werde dafür kämpfen. – Was ist mit einem Job
in einem Krankenhaus? – Auch dafür muss ich meinen
Abschluss anerkennen lassen und Sprachprüfungen ablegen und als Mediziner neu zugelassen werden. – Verstehe. – Es gibt Bedarf in Deutschland. Es gibt viel zu wenige Hausärzte. Und ich hätte Zeit für meine Familie. Als Arzt im Krankenhaus hast du Überstunden, Nachtschichten.
Das ist anstrengend, Pepe. – Das glaube ich. – Ich muss mich um sehr
viele Dinge kümmern und hoffen, dass mein
Abschluss anerkannt wird. Dann muss ich
Sprachprüfungen ablegen und vielleicht weitere Prüfungen absolvieren. Das kostet viel Zeit und Geld. Und in dieser Zeit, da kann ich nicht voll arbeiten, um das Geld
für meine Familie zu verdienen. – Irgendwie muss die Miete gezahlt werden.
Was du brauchst, ist ein Kredit … – Ich glaub’ nicht, dass es einfach wird,
‘n Kredit zu bekommen. – Das versteh’ ich nicht. Natürlich bin ich kein reicher Mann, aber es muss trotzdem
eine Möglichkeit geben. – Erst einmal gibt es Kredite nur unter bestimmten Voraussetzungen
und Konditionen. – Die Konditionen sind mir bekannt
und damit bin ich einverstanden. – Ja, das ist gut, jedoch muss vor allem
die Bank mit dir einverstanden sein. – Warum soll sie mit mir
nicht einverstanden sein? – Du kannst deine Liquidität nicht belegen, außerdem fehlen
einkommensnachweisende Unterlagen … – Meine Familie und ich sind
vor Krieg und Tod geflohen! Die Unterlagen haben
wir nicht mitgenommen. – Hey. Ich bin auf deiner Seite, aber ich kann das System
nun mal nicht ändern. – Was brauche ich, damit ich
einen Kredit aufnehmen kann? Ich habe alle Unterlagen, aber in Syrien … – Die Bank braucht eine Versicherung,
dass du lange genug in Deutschland bleibst, um den Kredit zurückzuzahlen. – Wie soll diese Versicherung aussehen? Es muss eine Lösung geben. – Die gibt’s. Ich bürge für dich. – Bürgen? – Ja, das bedeutet, wenn du nicht zahlst,
trage ich die Verantwortung. – Das würdest du tun? – Was soll schon passieren? – Danke. – Gerne. – Also, welche Migrationsgründe kennt ihr? – Die Menschen verlassen ihr Land,
weil sie in ihrem eigenen Land keine Perspektive
mehr sehen. – Stimmt, aber woran kann das liegen? – Sie sind unzufrieden mit ihrer Regierung. – Politische Gründe.
Manche werden sogar verfolgt. Diese Menschen können in
anderen Ländern Asyl beantragen. Ähm, wer kann das alles? – Menschen, die in Kriegsgebieten leben. Oder Menschen, die extrem arm sind. – Ja, im Grunde genommen alle Menschen,
die um ihr Leben fürchten müssen. Sie hoffen auf ein bisschen Frieden
in einem anderen Land. Aber das ist oft nicht so einfach. Was gibt es für Probleme? – Bürokratie! – Ja, aber das größte Problem
ist wahrscheinlich, dass man die Sprache nicht kann. Und dann folgt der ganze Papierkram: Asyl beantragen, Visum beantragen,
Pass beantragen, Ausweis beantragen. Und das sind nur ein paar Beispiele. Ihr habt alle einen Migrationshintergrund. Und trotz der ganzen Schwierigkeiten
sitzen wir alle hier zusammen und lernen zusammen.
Warum? – Weil wir zusammen lernen wollen,
Probleme zu lösen. – Weil wir wissen, dass jeder von uns
irgendwann mal Hilfe braucht. – Ein Zuhause zu finden, in dem man sich
auch zu Hause fühlt, ist nicht einfach. – Aber jeder verdient das, findet ihr nicht? – So, ihr Lieben.
Heute werden wir für euch unser erstes verrückt
klingendes Gericht kochen. Wenn ihr Ideen, Fragen oder Anregungen
habt – lasst es uns wissen! – Das ganze Rezept und die Zutaten dazu haben wir euch
in die Beschreibung geschrieben. Und wie das alles zubereitet wird,
zeigen wir euch in dem Video. – Dieses Mal gibt es „Himmel und Erde“. Das ist ein Gericht aus der
westfälischen Region, im Westen Deutschlands. – Dazu werden zuerst die Kartoffeln geschält, gewaschen und ein bisschen klein geschnitten. – Übrigens: So alt und traditionell kann
das Gericht gar nicht sein. Denn: Die Kartoffel ist zwar
mittlerweile „typisch Deutsch“, aber ihr Ursprung liegt
gar nicht in Deutschland. – Ist das so?
– Ja. Ursprünglich kommt die Kartoffel
aus Südamerika, aber mittlerweile gibt es sie natürlich
in jedem Gewächshaus und in jedem Supermarkt. Gut für alle, die „Himmel und Erde“
machen wollen. – Hallo, ‘tschuldigung! – Ha, jetzt kann ich das
alles nochmal erzählen! – Das interessiert
doch sowieso niemanden. – Doch, das ist total spannend. – Ja, sicher … – Entschuldigung, ich wollte nicht stören. – Ja, zu spät. Was … was wollen Sie hier? – Ich weiß, Sie mögen mich nicht,
weil ich Inge belogen habe. Aber lassen Sie es mich wiedergutmachen! Ich liebe Inge. Von ganzem Herzen. – Na, dann sagen Sie ihr das. – Sie hört mir nicht zu. – Wir lassen die ganze Zeit laufen. – Das ist Pech. – Vielleicht will sie Ihnen zuhören! Ich flehe Sie an. Helfen Sie mir! – Ich habe den Wettbewerb der
jungen Architekten gewonnen! – Selma, ich bin sehr stolz auf dich. Du hast dich gegen
den Favoriten durchgesetzt. Ich hab’ mit deinem Chef gesprochen. – Du hast mit meinem Chef gesprochen? – Ja, diesem Herrn mit der tiefen Stimme. Er meinte, der Zulassungsbescheid
für die Universität wäre mit diesem Preis kein Problem. Du kannst hier studieren, Selma. Und ich werde einen Kredit bekommen
und meine eigene Praxis eröffnen. – Du bekommst einen Kredit? – Ja. Pepe bürgt für mich. – Ach, plötzlich ist die Familie González
keine Schande mehr! – Wir bauen uns etwas hier auf! Unser Leben geht weiter, Schatz. Und es wird besser als jemals zuvor! – Ja, was immer ihr sagt. – Selma, ich muss dir noch etwas sagen. – Max? Bring mir bitte einen Champagner, ja? – Inge! Gibt’s was zu feiern? – Nein … ich hab’ mich nur gerade an eine
besondere … Begegnung erinnert. – Ach, ich würde auch gerne
einen Champagner trinken. – Du trinkst Orangensaft! – Ja, ist ja gut! Ich meine ja nur … Es wäre schön, wenn ich
jetzt ein Glas trinken könnte. – Oh mein Gott. – Oh, ich heul’ gleich. – Oh Gott. Ich glaube, ich auch. – Inge! Vor vielen … vielen Jahren bin ich
von zu Hause weggegangen. Ich habe nicht nur
meine Arbeit verloren, ich habe mich verloren. Otto gab es nicht mehr. Nur noch Jacques. Nur noch Lügen, nur noch Unwahrheiten. Und dann kamst du, Inge. Ich hätte nicht gedacht, dass ich
Jacques mal nicht mehr brauche. Aber es ist soweit. Ich will heimkehren. Ich will nie wieder lügen und nie wieder
jemandem weh tun, vor allem dir nicht. Ich wünsche mir nichts mehr,
als mein Leben mit dir zu verbringen, Inge. Ich liebe dich! Willst du meine Frau werden? – Ist der Champagner …? – … bezahlt? Ja. – Ich glaube dir, Otto. Und ich wünsche mir auch,
deine Frau zu werden. – Champagner, Champagner, Champagner! – Oh … Auf die Liebe!

100 thoughts on “Nicos Weg – B1 – Ganzer Film

  1. Ihr habt den Anfang verpasst? Schaut euch hier den Start an, der ganze A1-Film: https://youtu.be/4-eDoThe6qo
    Oder woll ihr lieber zurück zu A2? Dann hier entlang: https://youtu.be/Lg5P2w_Ro1c

  2. ممتاز
    بس لو الصبايا يخففوا السرعة لأني الصراحة والحق يقال أسرع من الألمان
    لانكاد نسمع كلامهن.؟!

  3. Bin noch im B2. Zwar dieser Film fuer B1 worden gemacht ist, bin ich mit dem Hoeren sehr schlecht. Und auch sprechen ist so. Ich kann mich niemals begruenden, wie ich daran erreichtet habe. Ich bin depimiert mit meinem Fortschritt meiner Deutschesprache. 🙁

  4. Hallo Leute, ich suche jemand, wer Deutsch als Muttersprache hat, um mit mir per e-mail zu schreiben, damit ich besser Deutsch lernen kann. Danke für ihre Antworte 😃😉

    PS: Ich entschuldige mich für die Fehler 😊

  5. Die sendung nico weg ist jetzt mein leiblings sending aus Deutschland. Könntet ihr B2 and C1 machen bitter

  6. zwar das ein Film um deutsch zu Lernen ist, aber Leider Sie Zeigen ein falsches Bild über Muslim's Religion und Islam allgemein, also bevor das zu Filmen, müssen Sie über Muslimischen Menschen etwas lesen und richtig verstehen, damit die Wahrheit sein

  7. misericórdia não entendi quase nada só consegui umas palavras möglich ich bin arbeitet etc nossa parece q nunca vou aprender

  8. ich lerne deutsch seit 8monaten aber schade ich kann nicht zur schule gehen….und verstehe ich alles was die leute in der film spreschen😁😁😁😁

  9. Why would Nico want to date a muslim girl whose life is totally controlled by her parents? plenty of fish in the sea.

  10. Ich komme auch aus einem Ort, der vor dem Krieg in Deutschland war. Heute vergleiche ich gern die alten Fotos mit der heutigen Stadt. Außerdem geniesse ich die alte, deutsche Architektur, die den Krieg überlebt hat.

  11. Ich habe im 2017 Prüfung auf dem Niveau B1 bestanden. Für mich ist dieser Film eine gute wiederholung. Danke!

  12. Das ist sehr schön film . Ich lerne deutsch seit 6 monate . Ich brauche ein partner fur sprchen practice

  13. Η ταινια ειναι διασκεδαστικη, ενδιαφερουσα με πλουσιο λεξιλογιο των καθημερινων γερμανικων . Οτι χρειαζομαι να θυμηθω παλι τα γερμανικα μου. Σας ευχαριστω πολυ !

  14. The film not only educates us in German but also trains us in the liberal agenda such as the global warming panic, homosexual couples, muslim immigrants.

  15. Selma, who has no idea about architecture and no education in this field, has won the contest over specialists.. in general the whole plot is very well thought-out but this is bulls*it. What I liked is the last part where the ruthlessness of the muslim refugee is shown- one minute he talks how shameful it is for his daughter to meet Nico, yet another minute putting Nico's brother at risk and exploiting his help is suddenly no longer shameful. What cynicism.

  16. Die Kentnisse auf der deutschen Sprache kommt zu mir nach vielen Jahren wieder,
    soweit bin ich damit zufrieden.Danke schoen
    Herr Moeller und DW Akademie!

  17. Hallo 🙂
    Ich habe eine große Problem die App fonktioniert nicht mehr 🙁
    Error 503 Backend fetch failed

    Backend fetch failed

    Guru Meditation:

    XID: 66469638

    Varnish cache server

    Ich bin sehr traurig denn ich brauche es zu viel :'(
    Bitte giben Sie eine Lösung :'(
    Und Danke schön <3

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